FDA warnt vor Akne-Präparat!

Die US-Zulassungsbehörde FDA hat am Freitag ein Programm beschlossen, welches Frauen davon abhalten soll, das Akne-Präparat „Isotretinoin“ (=Roa) während einer Schwangerschaft anzuwenden. Im Rahmen dieses Programmes müssen sich Mediziner und Patienten zuvor registrieren lassen, um das Präparat verschreiben oder anwenden zu dürfen. Derart soll vermieden werden, dass Patienten ohne ausdrückliche Risikobelehrung in den Besitz des Präparates kommen. Der Wirkstoff Isotrentinoin wird von verschiedenen Pharmaunternehmen unter verschiedenen Bezeichnungen hergestellt und vertrieben.
(Quelle: http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2005-08/artikel-5206846.asp)

…vorneweg, um Hoffnungslosigkeit und Angst zu vermeiden : ) – ich bin anscheinend wirklich ein schwer therapierbarer Fall. Ich hatte jetzt einiges an Feedback, wo die Geschichte weit weniger stressig als bei mir verlief. Also: was hier und in der Fallbesprechung an rabiateren Nebenwirkungen kommt, MUSS NICHT KOMMEN – neues Feedback, Martin hatte z.B. tatsächlich nur trockene Lippen mit gutem Therapieerfolg – , ebenso wird bei vielen tatsächlich die 6-8 monatige Therapie zu einer Heilung führen. Also werft nach der Lektüre nicht die Packung in die Ecke und kauft Teebaumöl, es kann alles ganz prima laufen.
Ebenso andersrum, muß ich auch sagen. An Feedbacks hatte ich bisher alles von problemloser Behandlung mit sehr gutem Erfolg bis hin zu viel Streß und wenig Wirkung, mit einem deutlichen Übergewicht auf der Keine-Probleme-und-guter-Erfolg-Seite.

Was praktisch immer kommt:

…sind zwar Nebenwirkungen, sollten aber nicht als solche verstanden werden: im Prinzip sind sie ein Zeichen dafür, daß der Organismus auf das Präparat anspricht. Kommen sie nicht, sollte man die Dosis erhöhen. Das ändert an ihrer Lästigkeit gar nichts, aber es läßt sich mit dem Bewußtsein besser damit klarkommen…
Und da wären:

  • Trockene Haut und Schleimhäute (speziell die Augen).
    Das heißt auch Hautschuppung (v.a.überall, wo Haare sind, und ich meine nicht nur den Kopf…), Haut- und Kopfjucken, trockene Lippen (ein Satz neue Haut alle zwei Tage. Abends eingecremt, morgens in Fetzen), Anfälligkeit gegen Entzündungen, ich VERMUTE leichtere Infektion mit Herpes, das wurde mir inzwischen von weiteren Betroffenen bestätigt. Salben helfen da aber gut, die erhöhte Ansteckungsgefahr liegt mehr an den rissigen Lippen, nicht am Medikament selber. Schnelles Nasenbluten, wunde Nasenschleimhäute. Anfälligkeit gegen Augenentzündungen. Brennende Augen. (Ein schöner Vergleich: drei Stunden vor dem Monitor gibt ein ähnliches Gefühl…)
    Kontaktlinsen sind völlig tabu. – Berichtigung. Martin trug seine weichen Linsen auch während der Therapie, bei Dosen zwischen 1,0 und 0,65 mg/Kg *neid* 😉
  • Erhöhte Verletzlichkeit
    Beispiele: Selbst Kratzer, die nicht mal bluten, nässen und heilen im Lauf von Tagen bis zu einer Woche und darüber erst ab. Sog. „manuelle Aknetherapie“ (Kosmetik) ist nicht zu empfehlen (m.E. inzwischen. Kunze beschreibt die Möglichkeiten manueller Therapie neben der Roaccutanbehandlung, um zum einen den „da muß ich jetzt durch“-Effekt gerade bei einer stärkeren Anfangsverschlechterung zu bekämpfen und von Anfang an eine kontinuierliche Verbesserung des Hautbilds zu erreichen. Zum anderen können durch kosmetische Behandlung die Nebenwirkungen gemildert werden. Auf jeden Fall sollte sich die Kosmetikerin mit der besonderen Anfälligkeit von Roaccutanpatienten auskennen und der Hautarzt seinen Segeg gegeben haben.)
    Quetschungen und aufgekratzte Pickel heilen nur sehr langsam. Vermeidbare/aufschiebbare Hautoperationen (Bsp. Leberfleckentfernungen, Beschneidungen, ähnliches) vor oder nach der Therapie planen.
    Von Steffen hörte ich, daß die erhöhte Verletzlichkeit anscheinend häufiger auftritt: vor allem hinterlassen Kratzer und leichte Verletzungen schneller Narben. Kleinigkeiten (Kratzer) machten bei mir wenig Stress, wahrscheinlich ist das individuell verschieden. Allgemein tritt Dünnhäutigkeit auf, vor allem nach dem Duschen, wenn die ganze abgeschuppte Haut weg ist. Vor größeren Verletzungen sollte man sich zwecks schlechter Heilung hüten (vielleicht auch ohne Roaccutan… : ) ).
    Die Verletzlichkeit trat bei mir nur phasenweise auf, andere hatten gar keine Probleme in der Richtung. Fragt nicht, wieso.
  • Autofahrer sind auf ein eingeschränktes Sehvermögen in der Nacht aufmerksam zu machen.
    Ich denke, auch so verschlechtert sich die Sehfähigkeit (liegt vermutlich an der Augentrockenheit. Sich während der Therapie neue Brillengläser einmessen zu lassen, macht daher vielleicht wenig Sinn – aber lieber Haut- und Augenarzt fragen!).

Was nicht unbedingt kommt:

  • Folgende Laborwerte können durch Isotretinoin verändert werden: Triglyzeride (Erhöhung um das 2- bis 3fache!), Cholesterin, Transaminasen, Kreatinkinase. Vor und sporadisch während einer Isotretinoin-Behandlung sollten die Leberwerte und die Blutlipide bestimmt werden.
    Laut Beipackzettel und meiner eigenen Therapie sollten jeden Monat die Leberwerte geprüft werden. Alkohol und starkes Rauchen sind nicht zu empfehlen. Ich selbst rauche, da Nikotin die Talgproduktion fördert, ist es (mal wieder) nicht zu empfehlen.
    Die Erhöhung der Leberfunktionswerte tritt anscheinend bei einem Viertel der Patienten auf. Pathologisch wird sie jedoch viel seltener, wenn auch nicht nur bei ein, zwei Leuten, wie früher beschrieben. Nähere Infos auf der Blutwerte-Seite.
  • Isotretinoin ist stark teratogen, bei sexuell aktiven Frauen im gebärfähigen Alter ist eine Kontrazeption zwingend. Es ist unerlässlich, behandelte Frauen sehr sorgfältig über das Missbildungsrisiko zu informieren.
    Auf Deutsch: es ruft starke Mißbildungen bei ungeborenen Kindern hervor, eine erfolgreiche Empfängnisverhütung ist UNBEDINGT NOTWENDIG. Die Wirksamkeit der Pille ist jedoch nicht eingeschränkt.
    Eine Schädigung der Spermien konnte dagegen nicht festgestellt werden, wenn ich auch mit einem Hautarzt sprach, der da skeptisch war.
    IInzwischen wird das Medikament häufiger auch Frauen verschrieben, wie man auf dem Board sehen kann. Das Mißbildungsrisiko geht nach dem Absetzen wieder zurück, laut Roche ist eine Schwangerschaft einen Monat nach Absetzen des Präparats wieder möglich. Da die Blutbank das Blutspenden jedoch eion halbes Jahr lang untersagt, halte ich diese Variante auf jeden Fall für sicherer. Nochmal: dennoch weiß ich nichts über mögliche Nachwirkungen, und wer es macht, macht das von sich aus und nicht wegen diesem Absatz hier, ich rate niemandem zu was auch immer.
  •  Im übrigen ist allen Behandelten zu empfehlen, auf die Einnahme von Retinol-haltigen Vitaminpräparaten zu verzichten, da diese zu einer erhöhten Toxizität von Isotretinoin führen können.
    Soll heißen: Vitamin A. Isotretinoin ist mit Vitamin A verwandt, also die Multivit-Tabletten vor dem Kauf gut anschauen. Die Nebenwirkungen werden verstärkt, Überdosierung von Vitamin A ergibt selbst nochmal ein extra Krankheitsbild (Hypervitaminose A – ich hab keine weiteren Infos drüber.)
  • Cheilitis, Muskel- und Gelenkschmerzen, Haarausfall (in der Regel reversibel).
    Cheilitis: schlicht und ergreifend Lippenentzündung (Lexikon Medizin). Alle möglichen Symptome (bis hin zu Symptomen von Syphilis und Milzbrand) werden unter dem Begriff zusammengefaßt. Weshalb ich das anführe: beobachtet euch gut! Nur weil was komisch ist, muß es noch lang nicht am Roaccutan liegen. Ich hielt einen Lippenherpes für eine Nebenwirkung und hatte das komplette Kinn voll Krusten und Bläschen, bevor ich merkte, daß was nicht stimmt.
  • Sowohl unter Tetrazyklinen als auch unter Isotretinoin kann der intrakranielle Blutdruck in seltenen Fällen erhöht werden; die Kombination dieser Medikamente ist deshalb wegen des erhöhten Riskos eines Pseudotumor cerebri zu vermeiden.
    Tetracykline: ein Breitbandantibiotikum. Nochmal: wo auch immer man/frau sich was verschreiben läßt: auf die Roaccutantherapie hinweisen!
    P.S. Inzwischen hab ich auch eine Woche während der Therapie Tetracyklin geschluckt, es gab keine zusätzlichen Probleme.
    P.P.S. Grade bin ich auf Amoxicilin, Kopfweh krieg ich grad gern, aber das liegt am Infekt und wohl nicht am Roaccutan.
    Berichtigung: inzwischen bin ich nicht sicher, ob Antibiotika Pilzanfälligkeiten verstärken. Privatmeinung: Antibiotika nur im Notfall, die Resistenzgeschichten sind inzwischen etwas beängstigend und die Haut- und sonstige – flora leidet sehr drunter.
    P.P.P.S. Steht ein paar mal auf der Page, dennoch nochmal: Tetrazycline schränken die Wirksamkeit der Pille ein, sexuell aktive Frauen, die eine Roaccutantherapie machen, sollten sich über die Wechselwirkungen von Pille und anderen Medikamenten sehr klar sein.Tetracyklin schränkt die Wirksamkeit der Pille ein, ein Verhütungsschutz ist nicht mehr gewährleistet und das eventuelle Kind ist mit höchster Wahrscheinlchkeit mißgebildet. Also seid vorsichtig und fragt euren Hautarzt und euren Gynäkologen!

Anfangsverschlechterung

Zu Beginn der Behandlung kann sich die Akne vorübergehend verschlechtern. In der Regel wird während 5 bis 6 Monaten behandelt, bei etwa 10% ist eine längere Behandlung nötig.
Zu denen gehöre ich 🙁
Eine Behandlung über acht Monate Dauer ist nicht zu empfehlen.
– war auch eine Stellungnahme aus dem Netz, ich hatte das Medikament jetzt 12 Monate, davon sechs auf Höchstdosis. Ich habe auch mit jemandem gespürochen, der das Zeug elf Monate nahm. Insofern ists vielleicht doch ok, die einzige Beschränkung scheint mir die 1 mg/Kg Tagesdosis zu sein.

Die Anfangsverschlechterung wurde auf einer englischen Seite auch als ziemlich häufig beschrieben. Inzwischen gab es viele Feedbacks, wo die Akne tatsächlich am Anfang schlechter wurde (über den Daumen gepeilt würde ich sagen, bei 30-40% der Leute, wobei das Board immer dahingehend verzerrt, daß eher Leute mit Problemen posten und die ohne Probleme sich freuen und nix schreiben *g*). Man darf hier aber nicht Akne und Nebenwirkung verwechseln: kann sein, daß die Akne erstmal gleichbleibt, aber ob der schlechteren Hautheilung die Sachen langsamer abheilen oder vermehrt aufgehen/bluten/sonst Stress machen. Die Haut trocknet aus, die Pickel gehen schneller (und mehr auf einmal) auf.

3 Kommentare

  1. In Deutschland wird das Akne-Medikament unter dem Namen Roaccutan vertrieben. Beide enthalten den Wirkstoff Isotretinoin. Der Wirkstoff ist auch in Deutschland einem Gel und einer Creme gegen Akne enthalten. Hoffman-LaRoche schreibt selbst in einer Patienteninformation, dass einige Menschen, die Accutane nahmen, Depressionen oder andere schwerwiegende seelische Probleme bekamen. Einige hätten Selbstmord begangen. Dennoch sei ein direkter Zusammenhang nicht geklärt. Auch die «Rote Liste» 2001 der Medikamente in Deutschland nennt Depression ausdrücklich als Nebenwirkung von Roaccutan.

    dpa ch/hu/tm xx ma 091634 Jan 02″

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