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Alt 02.07.2011, 00:29
Benutzerbild von Dark_Phoenix
 
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Standard Akne - Ein Leidensweg: Von den Kratern der Vergangenheit bis zu den Narben der Seele

Hallo und guten Abend an alle,

eines vorneweg: Ich bemitleide mich nicht selber und erwarte das auch nicht von anderen. Doch nachdem ich mich durch zahlreiche Posts von anderen Forenmitgliedern gelesen habe und mittlerweile so einige psychische Probleme angehäuft habe, die meiner Ansicht nach u.a. auf die Akne zurückzuführen sind, und ich mich sonst niemanden mitteilen oder anvertrauen kann, will ich die Gelegenheit nutzen, all meinen Gedanken einmal Luft zu machen und niederzuschreiben, damit sie mir nicht ständig im Kopf rumschwirren und das Atmen fast unmöglich machen.

Am besten beginne ich ganz am Anfang der Geschichte:

Ich bin männlich, Single und 20 Jahre alt, außerdem Student.

Begonnen hat alles schon im Kindergarten, zwar nicht unbedingt mit der Akne (die kam erst später), aber schon damals war ich extrem übergewichtig und ständigen Hänseleien ausgesetzt.

Das hielt dann auch die restliche Schulzeit über an. Die unablässigen Mobbing-Attacken haben meinem Selbstbewusstsein ordentlich zugesetzt und auch mein soziales Umfeld und Freundeskreis weitgehend dezimiert. Hinzu kommt, dass ich auch im familären Bereich kaum Rückhalt zu erwarten hatte. Meine Mutter war schon immer extremen beruflichen Belastungen ausgesetzt und hatte entsprechend wenig bis kaum Zeit, sodass ich zum größten Teil auf mich allein gestellt war - emotionale Bindung und Fürsorge war da Fehlanzeige. Mein Vater hingegen hatte noch nie sonderlich viel Interesse an mir gezeigt, und wenn, dann indem er mich beschimpfte, kritisierte oder erniedrigte. Das hat schließlich dazu geführt, dass ich mich noch weiter zurückgezogen habe und auch heute noch Schwierigkeiten habe, jemandem Vertrauen entgegen zu bringen. Eigentlich bin ich alles und jedem erst einmal misstrauisch gegenüber eingestellt, und vermute überall nur das Schlechte. Zwar weiß ich, dass ich damit auch vielen Menschen unrecht tue, indem ich ihnen böse Absichten unterstelle, aber das, wer wir sind und was wir sind, ist nunmal größtenteils durch unsere Erfahrung bestimmt.

Jedenfalls spitzten sich auch die Mobbing-Attacken aufs Extremste zu, bis hin zu völliger Erniedrigung. Schließlich wurde ich dann auch noch von Akne heimgesucht, die ich damals wie heute nicht als Teil von mir empfinden kann und als Makel erachte, was durch die Medien und den Schönheitswahn der heutigen Gesellschaft noch intensiviert wird (leider). Denn eigentlich ist Akne oder auch die Folgen, die sich daraus ergeben rein objektiv nichts Schlimmes, jedenfalls nichts Lebensbedrohliches. Allerdings sieht die subjektive Komponente, vor allem aus Sicht der Betroffenen immer ein klein wenig anders aus, besonders was die psychische Belastung betrifft.

Aber zurück zur Akne: Ich hatte das ''Glück'', dass zumindest mein Gesicht so gut wie nie von Akne betroffen war (nur hier und da mal ein paar Pusteln, aber das hielt sich in Grenzen). Vor allem mein Oberkörper, speziell der Rücken und teilweise die Arme waren schwer betroffen. Aufgrund der generellen Unsicherheit, versuchte ich also den Makel zu verbergen: Sei es durch das Tragen langer Pullover (selbst im Sommer!) oder das Warten in der Umkleide, bis die anderen Jungs fertig waren (die, um es mal anzumerken, offensichtlich durchweg keine Akne hatten; kein Wunder also, dass man sich selbst abstoßend und abartig bis minderwertig fühlte).
War doch mal etwas stärker das Gesicht betroffen, so hat man es eben geschickt abgewandt, sich von vornherein auf einem Sitzplatz im hinteren Teil des Raumes platziert, das Gesicht bei Gesprächen weggedreht oder durch die Hände verborgen (z.B. Aufstützen auf das Kinn, etc.) Auch dem direkten Blickkontakt bin ich immer ausgewichen.

Im Nachhinein betrachtet, klingt das Verhalten ziemlich lächerlich und absurd, aber zu groß war die Angst, zu lange angestarrt oder sogar direkt auf den Makel angesprochen zu werden, zumal kaum jemand in unserem Jahrgang derartige Hautprobleme zu haben schien (verrückte Welt lol). Man hat eben immer versucht, möglicht unauffällig zu sein. Die Flucht in schulische Leistungen in Hoffnung auf Anerkennung war ebenfalls eine Folgeerscheinung.

Aufgrund einiger extrem dämlicher Ereignisse (die ich hier nicht näher ausführen möchte), wurde ich dann auch noch in meiner sexuellen Identität in Frage gestellt. Neben einem zu klein empfundenen Geschlechtsteil und einer Vorhautverengung, kamen dem ohnehin schon labilen Selbst Zweifel ob der Vollwertigkeit und Brauchbarkeit als Mann auf.

Im direkten Vergleich mit anderen (vor allem bezogen auf die äußerlichen Merkmale) schnitt man selbst natürlich immer schlechter ab. Minderwertigkeitsgefühle, Depressionen und soziale Ängstlichkeit waren die Folge. Selbsthass und Verbitterung. Schnell habe ich gelernt: Nur wer einen attraktiven Körper hat und damit auch umzugehen weiß, hat Erfolg im Leben, der Rest verendet auf der Straße (klingt ein wenig derb, aber das hatte sich nunmal in meinem schulischen Umfeld immer wieder gezeigt).

Folglich, mit begonnenem Studium und neuer autonomer Lebenssituation, habe ich meine Lebensweise komplett umgestellt, d.h. gesunde Ernährung und Sport, sodass ich von ehemals 120 kg (bei 181 cm Körpergröße) auf 73 kg runtergekommen bin. Ich dachte nämlich, dass zum einen mein Übergewicht all den Hohn und Spott mitbestimmt hatte. Außerdem wollte ich dadurch diese grausamen Erfahrungen gleichsam abstreifen und mehr Selbstbewusstsein gewinnen, was allerdings nur bedingt gelang. Denn da gab es ja noch das Hau(p)tproblem. Als ich nun meine Scheu überwunden und einen Hautarzt aufgesucht hatte, bekam ich nach einigen missglückten Behandlungsversuchen schließlich Aknenormin verschrieben, das ich nun seit einigen Monaten nehme (von anfänglichen 40 mg auf mittlerweile 20mg/Tag). Seitdem hat sich mein Hautbild schon um einiges gebessert. Die meisten Entzündungen, vor allem am Rücken, sind weitgehend abgeklungen. Allerdings blieben dafür haufenweise rote Flecken zurück, die sich hoffentlich mit entsprechenden Cremes oder dergleichen behandeln oder mildern lassen oder auf natürlichem Wege verblassen. Auch der restliche Oberkörper besserte sich zusehends, ebenso wie Arme und Schultern. Im Gesicht ist fast makellose Haut verblieben. Jedoch hat nicht nur die Akne ihre Schäden hinterlassen, sondern auch die Gewichtsreduktion: Die Haut ist an einigen Stellen nicht ganz so straff und leider sind auch ein paar Dehnungsstreifen übrig geblieben. Und ob die Wirkung von Iso dauerhaft ist, ist ebenfalls fraglich...

Jedenfalls besteht das Gefühl von Minderwertigkeit und Hässlichkeit weiterhin und hat sich zu einer Dysmorphophobie entwickelt, obwohl auch hin und wieder einige Komplimente und Bewunderungen seitens der Damenwelt (bezüglich des Gewichtsverlusts, manchmal auch anzügliche Bemerkungen) geäußert wurden, mit denen ich aber nicht recht umzugehen wusste und nach irgendeiner versteckten Kritik in den Worten suchte. Stundenlanges zurechtstylen im Bad, ständiges Vergewissern im Spiegel oder auf reflektierenden Flächen, Achten auf Mimik, Gestik, etc. Suizidgedanken, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit waren und sind ebenfalls häufig. Hinzu kommen die defizitären Sozialen Kompetenzen, fehlendes Durchsetzungsvermögen oder das bewusste Wahrnehmen der eigenen Bedürfnisse. Selbst heute noch beschränkt sich mein Tagesablauf auf Uni-spezifische Tätigkeiten und dem Erfüllen der Grundbedürfnisse: Schlafen, Trinken und Essen.

Eine Partnerschaft hatte ich auch noch nie, was mich stark belastet und unter Druck setzt, aber selbsterklärend ist: zum einen, weil ich niemandem Vertrauen schenken kann, zum anderen, weil ich mich der Liebe nicht für würdig halte, da ich meiner zukünftigen Partnerin rein körperlich nichts bieten kann.
Ich versuche mir dann immer einzureden, dass ich es nicht verdient habe, geliebt zu werden und dass es (ganz im Sinne der Evolutionstheorie) auch schwächere geben muss, um den stärkeren Fortpflanzung zu ermöglichen. Letztlich dient diese Einstellung nur dem Selbstschutz, da ich mir meine Bedürfnisse (nach Nähe, Zärtlichkeit usw.) nicht eingestehen möchte oder auch einfach damit nicht fertig werden kann, deren Nichterfüllung und Verweigerung hinnehmen zu müssen.

In meiner Schule gab es da immer ein Sprichwort: ''Wenn du fett, hässlich und dumm bist, kannste eigentlich gleich einen Strick nehmen.'' Es ist zwar rückblickend dumm, sich von solch primitiven Aussagen leiten zu lassen, aber bei einem solchen Umfeld, in dem nur Äußerlichkeiten etwas bedeuteten und Vernunft und Rationalität nichts galten, musste man sich eben irgendwie arrangieren. Daher redete ich mir immer ein, dass ich wenigstens nicht ganz dumm sei, und stürzte mich in schulische Leistungen, während andere am Wochenende feiern gingen. Zwar behaupte ich nicht, Party wäre der Sinn des Lebens oder übermäßiger Alkoholkonsum, aber zählt dies schon zu fundamentalen Erfahrungen, vor allem im Leben eines Jugendlichen, ebenso wie die erste Liebe usw. Umso bitterer, wenn man hilflos mit ansehen musste, wie die Jugend an einem vorüber zieht.

Um nochmal auf das Sprichwort zurückzukommen: Vielleicht war auch das ein Grund für mich abzunehmen. Nun strebe ich noch weitere körpermodelliedernde Maßnahmen (Krafttraining) an. Einerseits, um durch einen definierteren Körperbau mehr Selbstbewusstsein zu erlangen, andererseits um die Chancen bei Frauen zu verbessern (da ja, wie die Erfahrung zeigte, und auch in der Gesellschaft leider ziemlich häufig zu finden ist, Vieles durch Äußerlichkeiten bestimmt ist, vor allem in dem Alter), aber auch, um die anderen Makel (Haut, Geschlechtsteil) auszugleichen. So nach dem Motto: wenn die Haut schon nicht vorzeigbar ist, muss man(n) eben anders glänzen.

Sicher, das klingt ebenfalls ein wenig oberflächlich und manche werden jetzt behaupten wollen, es käme ohnehin mehr auf die inneren Werte an, aber wie soll man sich mit einer Persönlichkeit und Ausstrahlung brüsten, die sich aufgrund körperlicher wie psychischer Dissonanzen erst gar nicht entwickeln oder entfalten konnte, weil sie sich hinter einem Schleier aus Ängsten, Unsicherheit, eingeengt in einen Panzer der Selbstisolation, zum Zwecke des Selbstschutzes verbergen musste? Schon von Kindesbeinen an?

Jedenfalls merke ich manchmal erst heute, wie sehr mir das alles zugesetzt hat, und welche Schäden meine Seele davongetragen hat. Oft scheint es mir so, als seien diese Schäden derart irreversibel, dass kein Glück und keine Freude dieser Welt sie aufzuhellen imstande ist.

Was geschehen ist, kann man nicht ungeschehen machen, man muss es vielmehr akzeptieren lernen und es als besondere erfahrung sehen und versuchen daran zu wachsen, sonst wird es niemals besser werden. So ist es auch mit der Akne: Sie ist eine weit verbreitete Hautkrankheit, keine Frage, und dennoch glauben wir, sie finde nicht genügend Akzeptanz und wir müssten uns rechtfertigen, weil uns andere dadurch als ''hässlich'' einstufen könnten. Aber sind es nicht wir selber, die uns das ständig ins Gewissen reden? Erst dann gewinnt die Krankheit Überhand und dominiert unser Leben, und daran werden wir letztlich zerbrechen. Nur wenn wir lernen zu akzeptieren, wer wir sind, und die Akne als Teil unserer Selbst anerkennen, können wir es schaffen die Krankheit zu besiegen, auch wenn sie rein äußerlich noch nicht abgeklungen ist. Wir sollte unser Leben leben und das beste aus der Zeit machen, die uns beschieden ist, anstatt ständig nur an unsere Fehler zu denken und uns von ihnen beherrschen zu lassen. Ich weiß, das ist leicht dahergesagt, und die Umsetzung ist schwer. Ich merke das bei mir selber. Ich mache mir auch zu viele Gedanken, wie ich auf andere wirke, was andere über mich denken, etc. Es fällt schwer das abzustellen. Und auch, diese Krankheit und ihre Folgen einfach hinzunehmen.

Letztlich steht es uns frei zu handeln, zu tun was immer wir wollen in unserem Leben. Denn was hält mich davon ab, einfach rauszugehen, Leute anzusprechen und das Leben zu genießen? Ist es wirklich die Akne? Oder sind es nur meine Zweifel und Gedanken? Meine Befürchtungen, Sorgen und Ängste? Denn prinzipiell habe ich die Wahl, zu entscheiden.
Zugegeben, auch ich selbst, habe diesen Schritt noch nicht geschafft. Aber ich habe schon einmal die nötige Einsicht, und das ist der beste Grundstein für Veränderung.

Mit freundlichen Grüßen,

Dark_Phoenix

Geändert von Dark_Phoenix (02.07.2011 um 00:43 Uhr)
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  #2 (permalink)  
Alt 02.07.2011, 09:42
 
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Hallo
mal so vorweg-die wenigsten Menschen "trauen" sich einfach, frei weg fremde Menschen anzusprechen.Mit deinen Hemmungen stehst du nicht allein da. Wenn ich mir deinen Beitrag durchlese,finde ich ,dass du viel erreicht hast.du studierst,möchtest sport machen,hast sehr viel abgenommen(respekt) und deine Pickelbelagerung gut in den Griff bekommen.Mehr als viele andere erreicht haben.
Im Teeniealter wird sehr viel Wert auf Äußerlichkeiten und Freundeskreis gelegt-einfach weil noch nicht viel mehr da ist,womit man sich profilieren kann.Da wächst man raus.
Sieh nach vorne-du kannst deine Vergangenheit nicht mehr ändern.Sie gehört zum Leben dazu.Schau auf das,was du erreicht hast und blicke zuversichtlich in die Zukunft.Du schaffst das.Das Leben ist Kein Garten,worin nur Rosen stehen....
Alles was geschehen ist hinterläßt Spuren,gute Dinge aber natürlich auch Blöde (Akne,Übergewicht,Zahnspange..falsche Haarfarbe...)Lerne daraus und kämpf für dein Glück...
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  #3 (permalink)  
Alt 02.07.2011, 11:51
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hey ich habe deinen post mit großem interesse gelesen und ich finde mich in einigen sachen wieder.
Deine geschichte klingt eigentlich schon zu hart, das sie wahr sein könnte.

Und dennoch hast du immer weiter gemacht, ich finde das sollte man dir hoch anrechnen.
Aber ich schreib dir nicht um dir zu loben, wie wärs mit gegenseiter hilfe.

Ich kenn mich ganz gut mit krafttraining aus und habe den körper, den du versuchst zu erreichen.
Allerdings lass dir gesagt sein, bin ich damit keinesfalls glücklich.
Das ist genauso ein teufelskreis wie alles andere, man wird nie zufrieden sein aber ich kann dich verstehen, wenn du es trz durchziehen willst.

Das du noch keine beziehung hast und unter druck stehst kenne ich, ich hatte zwar eine bin jetzt 21 jahre alt, aber empfinde auch diesen druck eine neue freundin zu finden, was extrem schwer ist aber wem sag ich das der nicht wie brad pitt aussieht.

Wenn man nicht der frauentyp ist, wirds schwerer und man muss mit schlauen sprüchen und einer gewissen unterhaltungsart bei frauen landen.
Mir ist das auch noch nicht gelungen, weil ich auch zu zerfressen bin von den ganzen negativen dingen der letzten jahre.

Aber auch ich arbeite hart daran, mindestens genauso wie damals an meinem körper, jetzt heißt es nur noch die theorie mal anzuwenden, nur das ist der schwerste schritt.

Also was ich sagen will, wenn du bock hast auf gegenseite hilfe schreib einfach
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  #4 (permalink)  
Alt 02.07.2011, 16:19
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@hops123:

Das ist wohl war. Es sei denn, sie sind von Natur aus eher extrovertiert und haben kaum bis keine Hemmungen, weil sie sich einfach nicht von so vielen negativen Gedanken runterziehen lassen. Oder sie sind einfach nur geübt darin.

Was das Ansprechen Fremder betrifft, so liegt es vielleicht auch daran, dass im normalen Alltag nicht unbedingt der Bedarf dazu besteht. Kommt es aber zu neuen Gruppenkonstellationen, vor allem wenn man sich untereinander noch nicht kennt (z.B. Wechsel zum Hochschulort im Verlauf eines Studiums), sieht das meist schon wieder anders aus. Da helfen dann Empathie und Sozialkompetenz.

Meine Hemmungen beziehe ich ja auch nicht unbedingt auf meine Akne (zumal ich sie ja eher am Rest des Körpers habe und nicht im Gesicht, sodass es im Normalfall wegen der Kleidung niemand sieht), sondern eher auf meine vielen schlechten Erfahrungen. Wie oft wurde ich im Regen stehen gelassen, obwohl ich anderen immer geholfen habe, so gut es ging.

Außerdem ist die Bindungserfahrung im frühen Kindesalter auch sehr wichtig für die künftige Entwicklung. Mir fehlt einfach das Gefühl von Vertrauen, und da ich dazu neige, eben aufgrund der Vergangenheit allem skeptisch gegenüber eingestellt zu sein, habe ich auch große Angst vor Ablehnung oder Zurückweisung. Daher vermeide ich den direkten Kontakt so gut es geht, da die Angst einfach stärker ist als die möglicherweise positive Konsequenz, wie sie aus einer Unterhaltung auch hervorgehen kann. Indem man einfach alles Derartige vermeidet, besteht auch nie die Gefahr, von seinem Gegeüber verletzt zu werden, obwohl man sich gleichsam auch potentiell angenehme Erfahrungen entgehen lässt. Gleichsam ist es auch dumm und naiv zu glauben, von jedem gemocht zu werden.

Es ist zwar anmaßend, jedem nur böse Absichten unterstellen zu wollen, da man ohnehin nie ermessen kann, was im Kopf des anderen vorgeht, allenfalls durch schlechte Spekulationen, aber da wirken leider auch Lern- und Konditionierungsvorgänge, was letztlich zu neurologischen Änderungen im Gehirm und automatischer Aktivierung führt. Dagegen ist zwar schwer anzugehen, aber das Positive ist, dass Lernprozesse weitgehend reversibel und veränderbar sind, aber nur mit entsprechender Geduld und über Zeit.

Das stimmt, erreicht habe ich bestimmt schon einiges, vielleicht mehr sogar, als ich mir je zugetraut hätte. Aber das ist kein Grund für mich, auf Erfolgen auszuruhen oder zu verharren. Leider bin auch extrem perfektionistisch, was zweifellos kontraproduktiv ist, denn man kann nie seinen hohen Ansprüchen gerecht werden oder ihnen gar entsprechen. Dennoch ist nichts Falsches daran, nach Optimierung seiner selbst zu streben und das beste aus sich rauszuholen, was man kann. Sport habe ich eine zeitlang ja auch schon ziemlich intensiv betrieben, zwar nur ''Ausdauertraining'', dafür aber täglich. Allerdings muss ich nun auch ein wenig Rücksicht auf das Medikament (Iso) nehmen, zumal ich jedesmal ohnehin schon erhöhte Werte habe und die Behandlung nur ungerne vorzeitig abbrechen möchte, zumal dann ein Rückfall wahrscheinlicher ist.

Die Vergangenheit kann man nicht ändern, das stimmt, aber vergessen sollte man auch nicht, was geschehen ist. Die Kunst ist eben, das Vergangene produktiv für die Zukunft umzusetzen und irgendwo einen Nutzen daraus zu ziehen.

Dass in dem Garten des Lebens auch Unkraut und Brennnesseln wachsen, habe ich schon zu spüren bekommen lol. Sicher, es ist immer besser zu kämpfen, anstatt kampflos unterzugehen. Die Frage ist halt immer nur, ob man auch die Kraft dazu hat oder einen Sinn darin sieht. Denn ist die Moral der Truppen schlecht, wird auch die vermeintliche Übermacht den herannahenden Truppen des Feindes nicht trotzen können.

Kämpfen werde ich wohl immer, wobei es natürlich auch schön zu sehen ist, wenn sich ab und zu mal ein paar kleine Erfolge einstellen. Das baut auf und gibt Kraft. Wie gesagt, die Suizidgedanken sind zwar mitunter schon da, aber wie kann man ruhigen Gewissens abtreten, ohne wenigstens alle erdenklichen Alternativen getestet zu haben? Frei nach dem Motto: Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft, der hat schon verloren... also keep it up!

@ekelgesicht:

Ich habe mich in dein von dir erstelltes Thema auch schon eingelesen, und muss sagen, ich kann schon verstehen, was in dir vor geht. Allerdings weiß ich nicht so recht, wie gerade ich dir helfen könnte? Ich studiere zwar Psychologie, eigne mich aber nicht gerade gut zum Therapeuten . Aber kein Ding, wenn ich irgendwie helfen kann, lass es mich ruhig wissen.

Zwar weiß ich schon, dass selbst mit Kraftsport sich nicht unbedingt etwas in meinem Leben oder an meinem momentanen Zustand ändern wird, aber der Gedanke gefällt mir. Ein Versuch ist es allemal wert. So bekommt man wenigstens ein wenig Selbstvertrauen und Selbstbestätigung, wenn man sieht, dass seine ständigen Bemühungen nicht vergebens sind und man in der Lage ist, etwas (an sich) zu verändern bzw. zu erreichen. Das pusht die Selbstwirksamkeit und lässt einen nicht in einem Sumpf totaler Hilflosigkeit versinken.

Auch als ich abgenommen habe, hat sich nicht wirklich was verändert, was den Umgang mit meinen Mitmenschen betrifft. Klar, man fühlt sich besser, ''befreiter'' von der Last, die man jahrelang mit sich herumschleppen musste. Auch der Alltag, wie z.B. Treppensteigen geht nun leichter von der Hand. Jedoch habe ich nicht das Gefühl, dass mich die Leute jetzt besser oder anders behandeln. Ein paar Kollegen an der Uni, die mich noch anders kannten, haben mich bereits früher akzeptiert (mit dem Übergewicht). So glaube ich auch, dass selbst wenn ich irgendwann mal keine Akne bzw. Narben mehr habe oder einen trainierteren Body, dass sich an meinem Verhalten und meiner Unsicherheit auch nicht viel ändern wird. Denn das Problem sitzt woanders, und ist scheinbar keinerlei körperlicher Natur.

Das scheint bei dir ähnlich zu sein. Du hast ja auch (und machst immer noch, soweit ich weiß) Krafttraining, nicht zuletzt, weil du damit deine Attraktivität steigern wolltest. Doch wie du festgestellt hast, hat sich an deiner Einstellung und deiner Psyche nicht viel geändert. Und stell dir einfach mal vor, du würdest dich überwinden und doch ein nettes Mädel finden, das dir gefällt. Letztlich würdest du dir wegen deiner Selbstzweifel nur wieder zu viele Gedanken machen und alles gefährden, was du dir bis dahin aufgebaut hast. Aber ich glaube, das ist dir auch (unter)bewusst?

Zweifellos eine schwierige Sache, aber bestimmt nicht ausweglos.

PS: Kannst schon glauben, was ich geschrieben habe Jedenfalls habe ich mir die Story nicht ausgedacht, auch wenn ich sie an einigen Stellen kürzen musste. Wäre wohl sonst noch mehr ausgeartet und ist ja auch so schon viel zu viel zu lesen
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  #5 (permalink)  
Alt 03.07.2011, 02:33
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danke fuer deine geschichte Dark_Phoenix, denn aus ihr kann ich einiges lernen.

die phase der jugend, mit den wichtigen ereignissen, die wohl aus der sicht der vernunft 'unvernuenftig' und unwichtig sind, haben wir verpasst. nur aufholen laesst sich das nicht mehr, und jetzt fehlt ein stueck an lebenserfahrung und auch an emotionalen erlebnissen.
wie du sagtest, verschwendete zeit, in der man nur so vor sich hin lebt, aber nichts erlebt.

ich merke gerade, dass ich zwar schon wieder in der lage bin maechen/frauen anzusprechen, aber fuer eine beziehung kommen auf grund meiner denkweise, die durch die akne gepraegt worden ist, kaum welche in betracht. erst neulich eine kennengelernt, da habe ich nach 3 minuten gewusst, dass ihre art fuer mich viel zu selbstbewusst und selbstueberzeugt ist. so eine freundin wuensche ich nicht. dabei kann ich es mir eigentlich nicht leisten, ansprueche zu stellen. aber ich waere mit ihr nie gluecklich (zumal die wahrscheinlichkeit ja auch sehr gering ist, dass sie sich ueberhaupt fuer mich interessiert ^^).
jedenfalls bin ich jetzt 23 und merke, dass es kaum menschen gibt, die mit mir harmonisch leben koennten. das frustriert.

finde es schon stark von dir Dark_Phoenix, dass du dich nicht im leid suehlst, sondern fest daran glaubst, dass es aufwaerts gehen kann! tja ich verfalle schnell wieder ins leid suehlen zurueck - aber deine texte motivieren mich auch weiter zu fighten
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Alt 03.07.2011, 08:43
 
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Vorweg muss ich sagen, dass du einen sehr intelligenten Eindruck machst. Ich wünschte, ich hätte mich früher mehr auf meine schulischen Leistungen konzentriert, da ich eh nicht der "Party-Typ" war/bin.
Die Einstellung - um nicht vom Leben kontrolliert zu werden, sondern das du es kontrollierst - hast du ja größtenteils schon gewonnen und dadurch auch einiges erreicht.


Zitat:
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Zwar weiß ich schon, dass selbst mit Kraftsport sich nicht unbedingt etwas in meinem Leben oder an meinem momentanen Zustand ändern wird, aber der Gedanke gefällt mir. Ein Versuch ist es allemal wert. So bekommt man wenigstens ein wenig Selbstvertrauen und Selbstbestätigung, wenn man sieht, dass seine ständigen Bemühungen nicht vergebens sind und man in der Lage ist, etwas (an sich) zu verändern bzw. zu erreichen. Das pusht die Selbstwirksamkeit und lässt einen nicht in einem Sumpf totaler Hilflosigkeit versinken.
Vorsicht, Suchtgefahr. Ich verdanke dem Kraftsport Leistungen, die ich dieses Jahr niedergelegt habe. Ich fing schleppend mit dem Sport an, da ich lustlos und gelangweilt vom Leben war, jedoch bin ich nun aktiv dabei und es ist auch kein Ende in Sicht.
Natürlich kam auch ich auf Grund von Minderwertigkeitskomplexen zum Kraftsport, da ich klein, schüchtern und schwach war. Auf einer solchen Art von Person lässt sich ebenso gut rumhacken wie der von dir beschriebenen.
Sicherlich bin ich heute immer noch klein, aber nicht mehr wirklich schwach, wodurch man dann automatisch anders auftritt. Selbstvertrauen ist das A und O, vor allem wenn irgendwann mal eine Freundin haben möchte.
Außerdem zeigt man dadurch der Umgebung, dass man imstande ist, durch seinen Willen etwas an sich zu verändern.
Es lohnt sich immer zu kämpfen, wir haben nur dieses eine Leben. Macht etwas daraus.
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  #7 (permalink)  
Alt 03.07.2011, 13:31
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@J0rd4N:

Sicher, keine Frage, dass die Jugendzeit bedeutsam ist, allein schon wegen all ihren Erfahrungen, dem Entwickeln einer eigenen Identität (wer bin ich, wer will ich sein, was sind meine Stärken, Schwächen...) und Selbstexploration (was gefällt mir, worin bin ich gut, was habe ich für Vorlieben, was macht mir Spaß, etc.). Die Vergangenheit mag zwar nicht mehr zu verändern sein, aber dafür die Zukunft.

Man kann die Jugend zwar nicht nachholen, aber man kann trotzdem versuchen, sich selbst zu finden und Dinge auszuprobieren, z.B. Sport, Abends mal weg gehen, auch wenn man hinterher sagt, das ist nix für mich. Und dass das Mädel sich nicht für dich interessieren könnte, das kannst du ja auch gar nicht wissen, oder hat sie es dir gegenüber etwa offen gesgt?

Mit dem direkten Ansprechen habe ich eigentlich keine Probleme. Nur sehe ich die Notwendigkeit darin nicht, den Sinn sozusagen. Dazu müsste ich ja schon die Absicht haben, jemanden kennenlernen zu wollen oder mir eingestehen, dass ich mir vielleicht mehr daraus erhoffen könnte. Wenn man aber von kleinauf schon feststellen musste, dass sich niemand für dich interessiert, selbst die Eltern nicht (jedenfalls nicht in dem Ausmaße, wie sie es sollten), dann beginnt man eben schnell Mauern um sich zu ziehen und seine Bedürfnisse, Gefühle, Wünsche, etc. zu unterdrücken. Das ist wohl der wunde Punkt bei mir. Nicht nur das fehlende Selbstvertrauen, eher die Fähigkeit, seine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und zu akzeptieren, um anschließend dafür zu sorgen, dass sie in Erfüllung gehen.
Dass das nicht von alleine funktioniert, ist mir auch bewusst. Ich stelle mich halt nur ein bisschen unbeholfen damit an, weil es.... nunja, eben ungewohnt für mich ist, ich kenne das eben nicht. Wenn sich das über die Jahre eingebrannt hat, brauch es eben viel Zeit und Geduld, dagegen vorzugehen. Aber ich arbeite dran

Früher war ich ehrlich gesagt aber auch so, und habe mich richtig schön in einem See aus Selbstmitleid gewälzt. Selbst heute in ganz schlimmen Momenten kommt das manchmal durchgesickert. Allerdings sind das auch immer die Momente, in denen ich seltsamerweise ab einem gewissen Punkt ganz nüchtern und klar denken kann und mir meine Optionen vor Augen halte: Entweder du versinkst weiter im Dreck und flennst (obwohl dich doch ohnehin niemand hören kann), oder du bereitest dem Trauerspiel ein Ende, was angesichts unausgeschöpfter Möglichkeiten und Potentiale auch nicht infrage kommt. Oder eben Option Nr. 3: Du reißt dich zusammen, ziehst dich aus eigener Kraft hoch, und zeigst diesen Mistkerlen (bezogen auf die Mobber von früher), was in dir steckt, und dass sie so nicht mit dir umspringen können. Klingt zwar ein bisschen derb, aber so versteht man glaub ich besser, wie es gemeint ist. Und schon geht es in die nächste Runde. Immer ein neuer Kampf.

PS: Mir gefällt es eigentlich sogar, wenn Frauen etwas flippiger und selbstbewusst sind. Das lockert die Stimmung und kann auch abfärben, irgendwie.

@stephan90:

lol Das war wohl eher unfreiwillig, die viele Lernerei. Ich dachte mir halt so: Wenn du schon nicht raus gehen kannst oder auf Parties, dann nutze die Zeit eben sinnvoll. Zugegeben, ich war auch ein, zweimal auf Achse, so aus gutem Willen, aber als das derartig ins Gegenteil ausgeartet ist, habe ich schnell die Finger davon gelassen.

Was die Einstellung angeht: Es gibt ja drei selbstschützende Illusionen, die jeder ''gesunde'' Mensch meistens ausgeprägt hat.
Die erste wäre die Illusion seiner selbst, dass man sich besser darstellt als man ist und sich kleinere Fehler verzeiht, etc. Das scheint komplett und rein gar nicht auf mich zuzutreffen.
Die zweite ist die Kontrollillusion: Zu glauben, man könne durch sein Handeln seine Umwelt direkt beeinflussen. Nun, das scheint bei mir schon ziemlich zuzutreffen. Ich denke schon (allein vom logischen Ansatz), wenn ich z.B. meinen Ausgangspunkt sehe (wie früher das Übergewicht), dass ich durch einen angemessen Trainingsplan und ausgewogenere Ernährung etwas daran ändern kann. So war es dann ja auch. Aktion bewirkt Reaktion.
Die dritte ist die Fortschrittsillusion: Davon überzeugt zu sein, sich ständig zu entwickeln. Das sehe ich eigentlich auch so. Mit Ehrgeiz und Durchhaltewillen und dem passenden Konzept lässt sich schon viel verändern, wenn auch nicht von jetzt auf gleich.

Der potentiellen Suchtgefahr bin ich mir schon bewusst, nur mir würde es ja schon reichen, ein paar sichtbare Muskeln zu bekommen, muss auch nichts Extremes sein, ganz dezent eben. Allerdings ist fraglich, wenn man erstmal darin aufgegangen ist, ob man sich mit seinen Ergebnissen zufrieden gibt. Gemäß dem Motto: größer, schneller, weiter... Zwar schwierig zu kontrollieren, aber das kriegt man bestimmt irgendwie in den Griff.

Ich nehme ja jetzt zum Beispiel auch nicht mehr weiter ab und esse sogar ab und zu mal wieder etwas Süßes, ohne gleich von Schuldgefühlen heimgesucht zu werden.
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Geändert von Dark_Phoenix (03.07.2011 um 13:42 Uhr)
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Alt 04.07.2011, 10:33
 
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Ich kann ja nur für mich sprechen: Ich will jedes mal weiter, höher hinaus.
Ich trainiere auch nicht mit besonders schweren Gewichten (meine Gelenke sollen auch noch in 40 Jahren belastbar sein), jedoch steigere ich mich immer ein wenig. Allein der Gedanke, dass ich mal 57kg bei gleicher größe gewogen habe, treibt mich voran.
Niemals will ich wieder so schwach sein.
Sicherlich gerät man auch irgendwann mal in eine Situation, wo Kraft von Vorteil sein wird - nutzlos ist es also allemal nicht.

Wenn du fit aussehen willst, kannst du 1,5 - 2 Jahre training einplanen, ob du dann aber zufrieden bist, steht auf einem anderen Blatt. Nur das genetische Limit kann mich bremsen - selbst wenn das in vielen Jahren erreicht ist, wird man nicht wie Hulk aussehen.
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  #9 (permalink)  
Alt 04.07.2011, 11:30
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@stephan90:

Sich steigern zu wollen und an Herausforderungen zu wachsen ist prinzipiell nichts Verwerfliches, nur die Grenzen der Vernunft dabei im Auge zu behalten ist das eigentliche Problem.

Ich kann das nur auf mich beziehen: Als ich noch übergewichtig war, ging es mir nicht nur seelisch und psychisch mies, sondern eben auch körperlich. Ich war immer schnell müde und nur wenig belastbar. Als ich dann angefangen habe abzunehmen war das zwar schon ein schönes Gefühl zu sehen, wie sich etwas verändert. Ich schätze mal hier ist die Analogie zum Kraftsport. Man wird sich der Veränderungen bewusst und sieht diesen Prozess als Kontrollgewinn über seinen Körper, eine Art Möglichkeit, seinen Körper zu unterwerfen und zu formen, worin man sich bestätigt fühlt.

Wenn man sich aber zu sehr reinsteigert und alles nur noch von dem Fortschritt in dieser einen Kategorie abhängig macht, schießt man schnell übers Ziel hinaus.
So war es auch bei mir. Als ich meinem Wunschgewicht allmählich näher kam, hatte ich Befürchtungen, irgendwann immer weiter abzunehmen. Auch fällt es nicht leicht, sich als schlank wahrzunehmen, wenn man sein ganzes Leben übergewichtig war. Doch es gibt überall Indizien für Erfolg, die man in seiner Vernarrtheit und Besessenheit gar nicht sieht, obwohl sie manchmal direkt vor deiner Nase liegen.
So habe ich beispielsweise feststellen müssen, dass meine alten Klamotten immer weniger passten und ich neue brauchte, was schonmal zeigt, dass sich etwas geändert hat. Aber die Dimensionen sind auch anderer Natur: Treppensteigen oder andere körperliche Anstrengungen gehen einfach viel leichter vonstatten als früher.

Sicher, auch ich habe nicht vor wieder sonderlich viel an Körperfett zuzulegen und achte auch auf gesunde Ernährung und das was ich esse. Aber ich merke auch, dass der Verzehr von Obst und Gemüse nicht nur nützlich, sondern auch schmackhaft ist. Und im Vergleich zu früher, wo ich wirklich null auf meine Ernährung geachtet habe, spüre ich auch, dass die gesunde Ernährung sich auf das gesamte Befinden positiv auswirkt.

Die eigentlich Kunst aber ist, sein Gewicht zu halten. Also muss ich ständig versuchen, meine Essgewohnheiten wieder etwas anzupassen, sich ab und zu mal etwas ''gönnen'' und herumexperimentieren, wie sich welche Lebensmittel auf das Gewicht auswirken.

So ist es auch mit dem Kraftsport: Man muss ein geeignetes Mittelmaß finden, an seinen Grenzen experimentieren und sich seine bisherigen Erfolge bewusst machen, anstatt die verzerrten Bilder seiner Vergangenheit als Bezugsnorm zu verwenden.

Ebenfalls ist es auch wichtig, sich mehrere Standbeine im Leben zu suchen, wo man sich entwickeln bzw. etwas ''erreichen'' kann. So wird verhindert, dass man sich zu sehr auf einen Teilaspekt versteift und die Kontrolle und Vernunft aus den Augen verliert. Hilfreich wäre sicherlich auch der Versuch der Selbstdistanz, also sich einfach mal aus einer anderen (objektiveren) Perspektive zu betrachten.
Zugegeben, auch das ist nicht leicht und bedarf der Übung, aber soviel Selbsteinbringung und Offenheit gegenüber Neuem darf, kann und muss man schon voraussetzen, weil letztlich nur wir selbst nachhaltig etwas an uns und unserer Einstellung verändern können. Dabei steht es jedem frei sich helfen zu lassen, was keinesfalls ein Zeichen von Schwäche ist.

PS: Außerdem stelle ich auch nicht unbedingt die Ansprüche, durch den Kraftsport mit riesigen Muskelbergen rumzulaufen. Mir reichen schon kleinere, sichtbare Erfolge, von denen ich aber auch nicht zu viel abhängig mache. Vielmehr sehe ich das ganze auch als Ausgleich zum Studium, das ja vorwiegend sitzend stattfindet und nur die grauen Zellen beansprucht.
__________________
''...und so wähle ich den Kampf - sei es für die Erlösung oder meinen Untergang...''

Geändert von Dark_Phoenix (04.07.2011 um 11:34 Uhr)
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  #10 (permalink)  
Alt 04.07.2011, 12:15
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Ich bin auch der Meinung ein relativ gut trainierter Körper ist
wichtig für das Selbstbewusstsein, gerade bei sonstigen Handicaps
wie z.B. Hautprobleme.
Etwas trainierte Muskeln ergeben ein gutes Erscheinungsbild.
Wenn man es richtig macht schonen und schützen Muskeln
auch z.B. Bandscheiben, Kniegelenke usw. vor zu starken Belastungen.
Sport ist oftmals gut für die Sozialisation.

Seine Gelenke beim Training nicht zu stark&falsch belasten ist eine sehr kluge und langfristige Entscheidung,
wer heute durch Akne etwas ausgegrenzt ist sollte im Alter nicht auch noch durch Arthrose oder Gehbehinderungen
eingeschränkt sein!
Viele machen sich rein garkeine Gedanken wie wichtig ein gesunder Knorpel
,vor allem in Knie und Hüfte, ist.

Beschädigter oder abgenutzter Knorpel lässt sich kaum reparieren oder aufbauen.
Moderate Belastung und vor allem Bewegung ist gut
für den Knorpel, extreme Belastungen und oder falsche Ausführung
beim Training sind Gift für den Knorpel.

Mein Vater sagt immer, Krafttraining ist bezahlte Engergieverschwendung.
Andere bekommen für Kraftanstrengungen Geld.
Man muss dazu sagen, erst ist Handwerker.

Ich sehe das nicht ganz so, allerdings darf gezieltes Training
bei mir nicht so viel Zeit in der Woche beanspruchen.
Als Heimtrainer finde z.B. den Crosstrainer, ggf. Rückenstrecker
+ Schwungstab ganz gut.
Wäre ich im Knast und dürfte nur ein Gerät mitnehmen wäre
es ein Crosstrainer.
Im Fitness-Studio gibt es natürlich ganz andere Möglichkeiten.
Wobei man die Frage, wie oft man in der Woche Krafttraining machen sollte,
nicht Pauschal beantworten kann.
Für den einen ist es optimal immer 1-2 trainingsfreie Tage
zwischen dem Training einzubauen,
für den anderen ist es ggf. besser immer 3 oder 4 trainingsfreie Tage einzubauen.
Ich gehöre zur letzteren Fraktion
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