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Alt 10.08.2009, 15:52
 
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Standard Freud, Leid und Happy End nach 15 Jahren Akne

Hallo zusammen!
Ich wollte hier mal meine Biographie und Erfahrungen zum Besten geben. Ich habe bzw. hatte 15 Jahre mit der Akne zu kämpfen, am stärksten war sie im Gesicht aber auch eine Zeit lang im Nacken, Rücken und Brustbereich. Seit ca. ¾ Jahr habe ich im Gesicht so gut wie nichts mehr, ich habe jetzt normale Haut. Auf Brust und Rücken habe ich schon seit ca. 3 Jahren, ohne medizinische Hilfe, nichts mehr.
Ich habe hier jetzt einige Beiträge angeschaut und lese, dass einige sogar an Selbstmord denken. Bei vielen ist das Selbstbewußtsein bzw. Selbstwertgefühl im Keller, was ich sehr gut verstehen kann. Meine Akne war eine Zeit lang (ca. 1 Jahr lang) sehr stark. Ich möchte durch meinen Bericht helfen und Mut zusprechen. Falls ich irgendjemanden vom Selbstmord abhalten kann oder ihm/ihr mehr Selbstbewußtsein geben kann, habe ich schon viel erreicht.
Hier erstmal eine grobe Biographie vom Verlauf meiner Krankheit:
Bei mir fing es mit 13,5 Jahren an. Ganz leicht im Gesicht, wie bei jedem Teenager. Irgendwann mit 15 wurde die Akne stärker und ich hatte die ersten “Zwänge”. Ich stand öfter und auch sehr lange vor dem Spiegel und habe mein Gesicht “bearbeitet”. Auch isolierte ich mich mehr und mehr, aus Scham. In der Schule habe ich meistens das Gesicht in die Hände gelegt/gestützt, so dass keiner auf meine Haut starren konnte.
Mit 16 wurde die Akne dann sehr schlimm. Ich hatte das ganze Gesicht entzündet, teilweise Knoten, sehr viele Eiterpickel. Auch auf dem Rücken und der Brust fing es jetzt an. Erst sehr leicht, dann mittelschwer, je nachdem wie heftig ich mir alles aufgekratzt hatte. Ich habe dann auch einmal die Schule geschwänzt. Mit Hänseleien hatte ich Glück, ich wurde nur zweimal im Bus von zwei 11-jährigen als “Pickelface” beschimpft, aber das hatte mich schon sehr verletzt.
Ich ging vollkommen verzweifelt (ich konnte mich zur der Zeit auch nicht mehr rasieren, da dadurch alles noch schlimmer wurde) zum Hautarzt. Der verschrieb mir eine Creme (irgendwas mit Vitamin A) und regelmäßig 1x die Woche zum Mitesser/Pickel ausdrücken in die Praxis.
Die Creme wirkte sofort, die Haut hat sich stark geschält, danach hatte ich zwar erstmal keine neuen Pickel aber sehr viele Rötungen bzw. die Haut war knallrot, als wenn ich einen starken Sonnenbrand hatte. Die “Drück-Orgien” beim Hautarzt einmal die Woche waren mir besonders unangenehm, da ich nach der Prozedur mit meinen “zerschossenen” Gesicht durch die voll belaufene Fußgängerzone zum Parkplatz laufen musste.
Als 1998 die Krankenkasse die Kosten für die o. g. Gesichtsreinigung nicht mehr trug, habe ich mir 1999 auch keine Creme mehr verschreiben lassen. Ich hatte jetzt sowieso trotz Creme wieder Pickel, auch stark entzündete, bekommen.
Ich hatte jetzt, mit Anfang 20, immer Schübe. Die Akne war nicht mehr so schlimm, aber wenn die Schübe kamen, sah ich aus wie eine Pizza. An Rasieren war dann auch nicht zu denken, ich musste teilweise wochenlang warten, bis der Schub/die Schübe abnahmen.
Mit 17 bekam ich einen Ausbildungsplatz und später andere Arbeitsstellen als Bürokaufmann/kfm. Angesteller, trotz Akne. Mit Mitte 20 lernte ich meine erste Freundin kennen, trotz Akne. Wir trennten uns nach 5 Monaten, dass hatte aber mit der Akne nichts zu tun. Meine Ex störten nur meine “Zwänge”. Ich ging teilweise mehr als 30 mal ins Bad, stand teilweise 1-2 Stunden vorm Spiegel. Ich aß unregelmäßig, war launisch. Ich habe Disco-Abende, Kino Abende etc. (schon bevor ich meine Ex-Freundin kennen gelernt habe) kurzfristig abgesagt. Ich war selten abends aus, war ungern in Gesellschaft. Nur wenn die Haut relativ sauber war unternahm ich was. Ich habe natürlich auch immer andere um ihre saubere, schöne, reine Haut beneidet.
Nach der Trennung von meiner Ex habe ich eine Heilpraktikerin besucht. Die empfahl mir die Ernährung umzustellen, mein Leben aufzuräumen (sprich Vergangenheitsbewältigung) und ich sollte eine Eigenurintherapie machen. Ich sollte Urin trinken oder mir das aufs Gesicht schmieren (Ich habe weder das eine noch das andere gemacht. Das war mir zu eklig. Außerdem, wenn Urin so gut sein soll, warum scheidet es der Körper dann aus?)
Egal. Zweiteres (Leben aufräumen) habe ich gemacht. Ich habe meine nächste Freundin kennen gelernt. Die Akne wurde von Jahr zu Jahr besser, die Schübe wurden weniger. Ob’s an der Vergangenheitsbewältigung lag, weiß ich nicht. Auf jeden Fall tat es mir allgemein gut. Mit 28 hatte ich nur noch ein paar Pickel, Gott sei Dank keine Narben. Aber die Zwänge (wenn auch nicht mehr so ausgeprägt) waren immer noch da und somit hatte ich durch herumdrücken immer noch Entzündungen. Anfang 2008 hatte ich eine Grippe, bekam vom Arzt Antibiotikum, dass sich auch positiv auf die Haut ausgewirkt hat. Innerhalb von 3 Tagen war alles weg und kam auch 2 Wochen nicht wieder. Danach aber wieder Pickel. Ich bin dann noch mal zum Hausarzt. Der hat mir dann Antibiotikum für die Haut verschrieben. Das musste ich über einen Zeitraum von 2,5 Wochen einnehmen. Danach bekam ich BPO. Seit November 2008 benutzte ich BPO. Ich hab’s 2x absetzten wollen, aber dann kamen wieder leichte Pickel. Ich habe dann diesen Monat noch mal einen Heilpraktiker aufgesucht, der empfahl mir auf jeden Fall eine “Darm-Kur” zu machen und auf meine Ernährung zu achten (vor allen Dingen nicht zu viel Zucker). Zusätzlich bekam ich Zink-Tabletten. BPO habe ich jetzt seit 1 Woche abgesetzt. Bis jetzt ist alles o.k. Die Darm-Kur heißt für 10 Tage lang absolut keinen Zucker, weder in Getränken noch im Essen! Viel Wasser Trinken (mind. 2,5 Liter). Ob’s an der Ernährung liegt bzw. lag, weiß ich nicht, will ich damit rausfinden.
Im Moment bin ich total zufrieden und kann mit einem kleinen Pickel hier und da leben. Ich bin heilfroh, dass ich mich regelmäßig rasieren kann, da ich auch im Außendienst tätig bin und somit auf gepflegtes Äußeres achten muß. Ein Vollbart steht mir nicht und will ich auch nicht.
Hier aber nun folgende Erfahrung bzw. “Lebenseinstellung” die ich trotz Akne mir angeeignet habe:
Auch wenn es schwer fällt, und ich weiß wovon ich spreche, ihr braucht euch für die Akne nicht zu schämen. Es ist eine Krankheit. Ihr seit deswegen nicht dumm, hässlich, unhygienisch oder sonst was! Ich müsst die Sache annehmen, nur dadurch wird es besser oder verschwindet ganz. Auch wenn ihr unter Zwängen leidet, so durchbrecht diesen Kreis. Ihr dürft euer Spiegelbild weder ignorieren, noch dürft ihr zuviel euer Äußeres begutachten. Auch müsst ihr, es wird euch sehr schwer fallen, nicht mehr an euch herumdoktern. Ich müsst euch für eure Haut DISZIPLIN aneignen. Das heißt nicht zu häufig waschen (2x am Tag, morgens und abends reicht, wenig Seife benutzen), keine aggressiven Substanzen benutzen (ich hatte sogar mal versucht, die Dinger mit Nagellackentferner zu desinfizieren, wie blöd war das denn?), nicht, wie oben schon gesagt, an den Dingern herum drücken. Wenn’s doch mal sein muß, wascht euch vorher die Hände, desinfiziert die zu behandelnde Stelle vorher und nachher. Drückt nicht zu lange dran rum, wenn nichts kommt. Benutzt frische, saubere Taschentücher. Laßt danach die Stelle in Ruhe. Schaut euch nicht andauernd an, ob die Stelle schon abgeheilt ist und fummelt erst recht nicht dran rum.
Seht das Leben nicht so negativ und geht offen mit eurer Krankheit um. Ihr braucht es ja nicht gleich jedem auf die Nase zu binden, aber ihr müsst euch immer denken, wenn ihr jemanden mit schöner Haut seht: Die haben dafür was anderes. Entweder haben diese Leute Verdauungsprobleme oder Magengeschwüre, Haarausfall, schlechte Wundheilung, sind häufiger krank oder leiden unter Migräne oder Asthma, was weiß ich…
Was ich damit sagen möchte: Lasst euch von der Akne nicht steuern. Macht es nicht zu euerm Lebensinhalt. Wenn ihr zu häufig in den Spiegel schaut, steuert euch die Akne. Wenn ihr gar nicht in den Spiegel schaut, steuert euch die Akne. Wenn ihr euch zuhause verkrümelt, steuert euch die Akne. Lasst niemals wichtige Termine sausen. Sagt keine Dates ab. Wenn das Mädchen/der Junge/der Mann/die Frau euch mit Akne nicht mag, dann werden sie euch auch ohne Akne nicht mögen. Außerdem was wäre, wenn ihr an dem Abend eine schöne Haut hättet aber ne Woche später wieder alles voll? Was würde euer Date dann machen? Wenn euch jemand anmacht, ignoriert es oder geht offensiv auf ihn zu, was er sich dabei denkt. Ich weiß, das das Äußerliche sehr wichtig ist, aber Akne lässt sich nun mal nicht so schnell und einfach beseitigen wie eine schiefe Nase, abstehende Ohren oder kleine Brüste, bei denen eine Schönheits-OP relativ schnell jemanden von Komplexen befreien kann.
Ich gibt so viel schönes im Leben: Guter Wein, gutes Bier, gutes Essen, guter Sex (aber auch den brauch ich nicht, um glücklich zu sein, es ist für mich ein zusätzlicher Bonus), ein gutes Gespräch, ein schöner Abend mit Nachbarn, Freunden oder Familie, ein Urlaub etc.
Das Leben stellt euch wichtigere Aufgaben als die Bekämpfung von Akne: Familie, Partnerschaft, Hausbau, Beruf etc.
Ich lebe zur Zeit sehr glücklich in einer Beziehung und hab schon bevor ich die Akne komplett los geworden bin, angefangen, dass Leben zu geniessen. Sowohl positive als auch negative Erlebnisse erlebe ich bewußter. Früher hatte ich alles nicht so richtig wahr genommen, da die Akne mein Lebensinhalt war. In meiner schlimmsten Zeit (zwischen meinem 17. Und 23. Lebensjahr) war ich fast immer innerlich leer. In stand Abende vorm Spiegel und konnte es nicht fassen, wusste nicht mehr weiter. Das andere extrem war, wenn die Haut mal ein paar Tage gut aussah, das ich euphorisch war. Danach war nach dem nächsten Schub die Trauer um so größer. Das hat auch wieder mit “steuern” zu tun. Wenn ich heute wenig Pickel im Gesicht habe, nehme ich das genauso hin, als wenn ich wieder etwas mehr habe.
Ich würde jedem empfehlen, sobald er stärkere Akne bekommt oder schon hat, den Arzt aufzusuchen, aber auch nicht zu viel zu machen. Vor allen Dingen erstmal nichts aggressives. Testet 2 oder 3 Therapien und mehr nicht. Empfehlen kann ich natürlich Antibiotikum in Form von Tabletten über einen kurzen Zeitraum, danach BPO und eine Ernährungsumstellung, aber das muß nicht für alle taugen. Bei mir hat’s geholfen. Auch empfehle ich eine Lebensanalyse. Es kann allgemein nicht schaden.
Mein Tagesablauf sieht so aus, dass ich mich 2x am Tag wasche. Entweder morgens duschen mit Duschgel und abends das Gesicht nur mit Wasser abspülen bzw. umgekehrt. Ich rasiere mich spätestens jeden 3. Tag naß und benutzte ein Rasiermesser. Das hat einen zusätzlichen, wenig aggressiven, Peelingeffekt. Nach der Rasur desinfiziere ich das Gesicht mit ein wenig 40%igen Wodka (als After Shave Ersatz), der hat keine zusätzlichen Inhaltsstoffe wie normales After Shave und danach etwas Balsam drauf (keine stark fettende Creme). Das Hautbild wird allgemein besser, auch bei Leuten ohne Akne. Wer sich naß rasiert/rasieren will, sollte darauf achten (und das gilt im Allgemeinen, auch für Leute ohne Akne), rechtzeitig das Messer zu schärfen bzw. die Klinge zu wechseln. Eine stumpfe Klinge reizt die Haut zu sehr. Bettwäsche und Handtücher wechsle/wasche ich regelmäßig, genau wie es der Webmaster auf dieser page predigt. Das reduziert die Anzahl der (Fremd-)Bakterien und gibt euch ein bißchen Sicherheit, die den Kopf frei macht. In den Spiegel schaue ich nur, wenn’s einen Grund gibt, wie eben rasieren oder Haare kämmen, eben zurechtmachen, Mundpartie kontrollieren, ob da noch Spaghetti-Soße ist etc.
Ich bzw. wir haben regelmäßige Essenzeiten mit einigen Ausnahmen. Abwechslungsreich, nach Möglichkeit immer mit Gemüse oder Salat dabei. Dazu viel Wasser trinken. Zur Zeit essen wir beide wenig Süß und Knabbereien. Im Winter gehen wir in die Sauna und ins Thermalbad (37° Salzwasser), das tut dem ganzen Körper gut und für die Bekämpfung der Akne kann es auch nicht schaden.
Ich habe mir neue Ziele im Leben gesetzt. Auch was die Akne angeht habe ich mir ein anderes Ziel gesetzt. Ich würde sie natürlich gerne ganz los sein, mein Ziel ist es aber jetzt, wenn sie noch mal wieder kommt, damit zu leben und sie soweit im Zaum zu halten, dass ich mich regelmäßig rasieren kann. Mit ein paar Pickel hier und da kann ich leben, dass haben auch andere Leute. Falls die Ernährungsumstellung nicht anschlägt, würde ich wieder BPO regelmäßig verwenden. Ich habe keine Probleme damit, habe weder Hautreizungen noch zu starke Schälung oder Rötung.
Ich gebe zu, dass ich, wie oben auch schon erwähnt, viel Glück gehabt hab und die Akne von selbst etwas zurück gegangen ist und ich, trotz das ich früher wie ein Irrer in meinem Gesicht herum gedrückt habe (…was hab ich mir die Haut schon deswegen zerfetzt…), keine Narben davon getragen habe. Ich habe auch einige Leute aus meinem Bekanntenkreis, die unter starker Akne litten, und sie jetzt los sind.
Abschließend möchte ich sagen:
Lasst euch nicht unterkriegen. Das Leben ist viel zu schön, als sich ständig über die Akne zu ärgern. Es ist eine lästige und aus meiner Sicht (und ich denke mal auch aus eurer) eine vollkommen sinnlose und überflüssige Krankheit. Es hat wohl irgendeinen Grund, warum man Akne bekommt, auch wenn die genauen Ursachen dafür bei einigen (oder bei den meisten) Patienten nicht gefunden werden. Aber man sollte nicht sein Leben damit verschwenden, sich von der Krankheit bestimmen zu lassen.
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