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Ich habe mich hier irgendwann im Jahr 2004 angemeldet, weil ich wegen meiner Haut so verzweifelt war, dass ich mir nicht mehr anders zu helfen wusste als im Internet nach Lösungen zu suchen. Heute bin ich 25 Jahre alt, habe mein Abi in der Tasche, mein Studium ist vorbei und ich arbeite als Physiotherapeutin in einem Rehazentrum. Mein Leben ist nahezu optimal weitergelaufen. Ich habe meinen Bachelor sehr gut abgeschlossen, bin gesundheitlich und sportlich fit, habe viele gute Freunde, teile mir mit meinem Traummann eine Wohnung und habe mir meinen Traum von einer Reise nach Neuseeland erfüllt. Es gibt Menschen, die mich um mein Leben, meine Figur und meine Familie beneiden würden. Aber dann ist da etwas, das sich nie geändert hat: Meine Haut.
Ich habe Akne (oder was auch immer es ist) seit ich 9 Jahre alt bin. Es gibt kaum etwas, das ich nicht ausprobiert habe. Angefangen mit der Pille als ich 13 war, über Hefeextrakte, Nahrungsmittelunverträglichkeitstests, Diäten, Psychotherapie, Antibiotika und schließlich Isotretinoin habe ich alles ausprobiert. Geschminkt habe ich mich nie. Einen Abdeckstift habe ich nie besessen. Ich mache Sport seit ich denken kann, Sport ist eine großartige Möglichkeit vor Problemen wegzurennen. Außerdem bescherte mir der Sport die Anerkennung, die ich durch mein Aussehen nicht bekommen konnte. Sport als Ausgleich sozusagen. 2009 wurde ich nach dauernden Sprüchen wie "Pickelfresse" und "Kraterface" wegen meiner Haut verprügelt und fast auf die Gleise vor einen Zug geschubst. Daraufhin fing ich an, Isotretinoin zu nehmen, das mir in Eppendorf an der Uniklinik verschrieben wurde. Unter Isotretinoin erfuhr ich letztes Jahr endlich die ersehnte Besserung. Ich bekam Asthma und Probleme mit Übelkeit - aber meine Haut wurde besser. Ich mochte mich wieder im Spiegel angucken. Die Tage, an denen ich morgens dachte: "So kann ich nicht aus dem Haus gehen" waren vorbei. Im September 2010 setzte ich Isotretinoin ab. Im Oktober ging es nach Neuseeland. Dort habe ich die Pille abgesetzt, weil ich endlich mal keine Medikamente mehr in mich hineinpumpen wollte. Einen Monat lang hatte ich das glücklichste Leben, das man sich vorstellen kann. Pazifik, Strand, tolle Menschen - tolle Haut. Und dann fing alles wieder von vorne an. Meine Haut wurde genau so schlecht wie zuvor. Ich redete mir ein, dass die Pickel auch keinen anderen Menschen aus mir machen, dass andere Menschen mich so mögen wie ich bin. Aber das hat nicht funktioniert. Ich konnte noch nie besonders gut lügen. Vor allem nicht mir selbst gegenüber. Ich fing noch in Neuseeland an, wieder die Pille zu nehmen, damit mein Hautarzt mir zum wiederholten Mal Isotretinoin verschreiben würde - schließlich war das Medikament mein einziger Notanker. Aber es gab kein Isotretinoin mehr. Als ich im April 2011 wieder in Deutschland ankam, zog es mich zuerst zum Hautarzt. Nicht nochmal Iso, zu gefährlich, gebärfähiges Alter. Ich bekam Doxakne tabs, und damit eine leichte Besserung, aber nicht wirklich relevant. Vor einem Monat war ich wieder beim Arzt, jetzt nehme ich Skid, Monocyclin. Meine Haut ist besser - auf Zeit. Wir leben hier in Deutschland. Ich bin schon viel rumgekommen, und ich habe das Gefühl, dass es kaum ein Land gibt, in dem das Äußere soviel zählt wie hier. Nirgendwo auf der Welt wurde wegen meiner Haut so sehr auf mir herumgehackt wie hier in Deutschland. Ich arbeite als Physiotherapeutin, jeden Tag stehe ich mindestens 20 verschiedenen Menschen gegenüber, die mir meist unbekannt sind. Durchschnittlich jeder 5. spricht mich auf die Hautproblematik an. Ich arbeite im Gesundheitssystem. Der Gedanke liegt nahe, dass meine Patienten sich fragen, wie ich in der Lage sein soll, ihnen zu helfen, wenn ich nichtmal meine eigenen Probleme in den Griff bekomme. Im Moment ist meine Haut ganz gut - ich habe Narben über Narben, aber ich kann auf der Seite schlafen, ohne dass ich Schmerzen habe. Ich überlege, meinen Master zu machen. Einen Master in einer Berufssparte, in der ich nicht darauf angewiesen bin, in direktem (Blick-)Kontakt mit Menschen zu arbeiten. Ich wünsche mir ein Hintertürchen - für den Moment, in dem alles zurückkommt. Meine Freunde sagen, dass es auf den Menschen ankommt, nicht auf das Aussehen. Aber ich weiß, dass das nicht stimmt. Niemand ist mit Pickeln so schön wie er es ohne wäre. Das ist eine Tatsache. Wenn ich meine Pickel nicht hätte, vielleicht hätte ich im Modebereich etwas machen können, vielleicht hätte es zum Modeln gereicht. Nicht, dass ich das gewollt hätte. Aber ohne Akne - wäre vieles möglich gewesen. Aber was ist es, was diese Erkrankung so schrecklich macht? Ist es wirklich die fehlende Anerkennung? Ist es die Konfrontation? Sind es die schlechteren Chancen einen guten Job zu bekommen? Ist es das beeinträchtigte Selbstwertgefühl, das wir durch unsere Erfahrungen haben? Ich weiß nicht, was nach dem jetzigen Antibiotikum kommt - und ehrlich gesagt weiß ich auch nicht genau wie es weitergehen soll, wenn nach dem Absetzen alles wieder so wird wie zuvor. Ein Rezidiv fühlt sich an wie ein freier Fall ohne Sicherheitsnetz. Ich bin mir sicher, dass es hier genug Menschen gibt, die mich verstehe und denen es vielleicht sogar genauso geht. Und vielleicht sind einige unter euch, denen es Kraft gibt, meine Geschichte zu lesen...
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--- Ich bin nicht auf der Welt, um zu sein wie andere mich gerne hätten! --- |
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Du schreibst ja, dass du mit deinem Traummann zusammenwohnst.
Somit hast du etwas das viele Leute verzweifelt suchen und nicht finden. Die haben überhaupt keine Probleme mit der Aussehen und finden keinen Partner. Ich hab auch keine Partnerin - und Probleme mit der Haut und unzählige Narben. Der Grund warum ich nicht traurig rumhänge oder psychisch am Boden bin ist der, dass ich versuche zu Leben und Freude und Spass zu haben. Was andere Leute jetzt über einen Denken ist sowas von egal. Im Prinzip sucht man/suchst du Anerkennung von Menschen die die nicht kennen bzw. für die du absolut keine Bedeutung hast. Mir gefällts auch nicht, wenn ich wieder mal neue Entzündungen bekomme - aber deswegen schämen tu ich mich nicht. Du solltest was zum Thema Selbstliebe lesen - vielleicht hilft dir das. Ansonsten wird wohl psychologische Hilfe unumgänglich sein. Ich hatte vor 1 1/2 Jahren einen massiven Tiefpunkt und konnte mich selbst wieder hochziehen. Hab mich mit positivem Denken befaßt, alternative Medizin (TCM, Shiatsu) probiert. Ich bin mir auch sicher, dass die meisten Leute wenn sie jmd. mit Akne sehen in erster Linie froh sind, nicht selbst darunter zu leiden - diese paar Vollidioten, die meinen bösartig werden zu müssen sind einfach nur der größte Abschaum der Menschheit.
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Schwerste Akne im Gesicht und am Rücken bis 19 - (durch Iso weg - bis auf die Narben) Mit 38 gings wieder los und nachdem ich alles probiert hab jetzt mit 40 ein 2. mal Iso (low dose 20mg) ab 7.7.2010 Aktuell (10/2011) nur vereinzelte Pickel - allerdings ganz will sich die Scheiße einfach nicht verziehen. Nehm derzeit: 3g Vitamin B5, Cordes 3% Oh I will make my day through one more day in hell (Indifference - Pearl Jam) |
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Schöner thread, interessante geschichte.
Gibt wohl kaum ein Thema über das man mehr reden könnte als diese beschissene Akne oder unreine Haut oder wie ihr es auch immer nennen wollt. Du hast schon viel erreicht, eigentlich so gut wie alles, jetzt fehlt dir nur noch eins. Selbstwertgefühl, dich selbst lieben zu können. Das ist wohl das schwerste, was es zu bekommen gilt. Welche Sportart betreibst du denn? Sport ist wirklich das Beste Mittel, gegen diese ganze Scheisse, es sich selbst zu beweisen, dass man keine totale dumpfbacke ist, denn sowas beginnt man zu glauben, sobald der spiegel nur spott und hohn für einen übrig hat. Ich würde auch lieber in einem anderen Land wohnen, aber sorgenfrei das gibt es wohl bei keinem. Dir alles gute |
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Hallo,
sehr interessanter und wahrer Beitrag. Ich denke jeder Aknepatient kann daraus etwas herauslesen, was ihn selbst auch betrifft. Erstmal freue ich mich, dass es in deinem Leben so gut klappt. Nur die Akne ist dein "Päckchen", welches du zu tragen hast. Ich sage "nur", weil es auch schlimmere Sachen gibt ...Kopf hoch!Wie ekelgesicht sagte,...Selbstwert, Selbstbewusstsein, pure Lebensfreude, keine Gedanken an die Haut..., dass alles oder zumindest Teile davon zu bekommen ist das schwerste an der Akne... Die "Akne auf der Seele" wird einen auch sehr lange, wenn nicht sogar immer prägen. Ich wünsche dir, dass du die Akne soweit in Griff bekommst, wie es für dich ertragbar ist. Das wünsche ich dir, mir und uns allen! |
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Tja,wenn du keine Akne hättest,wäre es das perfekte Leben aber wir hätten Dich nie kennen lernen dürfen.
Ich halte es für Blödsinn zu behaupten,dass in Deutschland nur auf das Aussehen geachtet wird.Was glaubst du wie Frauen im nahen Osten "aussortiert" werden,wenn sie kein hübsches Gesicht haben oder in den USA wo sie ziemlich verrückte Ideen haben um dem absoluten Schöhnheitsideal hinterher zu rennen. Du hast ne tolle Ausbildung,deien Traummann,tolle Familie,sei doch mal froh und dankbar dafür.Schade,ich hätte gern bei Dir gelesen:"Seht her,so bin ich,so seh ich aus,okay,hab ein paar Pickel aber seht doch mal,was ich erreicht habe.Da ist mein Mann,da meine Wohnung und ätsch den tollen Job hab ich auch noch und ich bin topfit und sportlich. Sei doch mal stolz auf dich! Nicht darauf schauen,was mann nicht kann oder nicht hat,sondern machen,einfach machen.Lebe dein Leben,schau dir die Welt an und verzweifel nicht an deiner Haut. Das man dich vor nem Zug werfen wollte,ist schon ziemlich krass.Hast du die Leute angezeigt? Dass Pickel schon ein Mordmotiv sind finde ich dann doch schon ziemlich heftig. Setz dir selbst nicht so zu-das tut dir nicht gut,dass tut niemanden gut. |
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Hey ihr alle!
Vielen, vielen Dank für eure lieben und einfühlsamen Antworten! :-)
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--- Ich bin nicht auf der Welt, um zu sein wie andere mich gerne hätten! --- |
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Hallo J4G0!
Interessante Geschichte, kann dich gut verstehen. Meine Gedanken hierzu: ich denke auch nicht dass das was du beschrieben hast deutschlandabhängig ist. Ist vielleicht noch eher ein Problem der westeuropäischen/us-amerikanischen Gesellschaft (Akne ist meines Wissens nach aber in der "westlichen Welt" auch ein größeres Problem als in den übrigen Erdteilen). In Österreich ist es zumindest gleich ![]() Jedenfalls glaube ich, dass die Sache bei Akne oder generell jedem Hautproblem -oder sonstiger Abweichung von der Norm/Schönheitsideal- im Gesicht die ist, das unser Gesicht sozusagen unser "Aushängeschild" ist, wir schauen uns ins Gesicht während wir kommunizieren. Ob wir jetzt reden oder nur Blickkontakt haben ist dabei egal. Das ist nicht etwas, das wir verstecken können. Unsere Freunde und Freundinnen lieben uns auch mit Akne oder anderen Makeln. Aber die meisten von uns leben nun mal in mehr oder wenigen großen Städten, da haben wir jeden Tag mit hunderten Menschen zu tun, wenn auch mit den meisten nur oberflächlich. Ich kann jetzt natürlich nur von mir sprechen, aber ich merke einfach dass es Blicke gibt, oft auch skeptische oder irritierte. Und natürlich kann ich mir denken :"Egal, sch*** drauf", aber das ist nicht so leicht. So dicke Haut (haha) hab ich nicht. Nicht immer! Und das heisst nicht, dass ich mein Leben nicht lebe oder mich zurückziehe. Ich habe auch tolle Freunde, eine schöne Beziehung und Job/Ausbildung ist auch ok, aber trotzdem...jedes Mal wenn ich in den Spiegel schaue oder wenn meine Backe von einem Pickel weh tut, bin ich einfach frustriert! Es ist so ein Gefühl der Machtlosigkeit. Ich habe auch das Gefühl, dass sich Menschen (die keine Akne haben/hatten) wenn sie Leute mit Hautproblemen sehen denken, dass die irgendetwas nicht im Griff haben. Das die was falsch machen, also sich schlecht ernähren oder sich nicht ausreichend pflegen oder nicht zum Hautarzt gehen. Ein bisschen so, wie bei übergewichtigen Personen, wo sich viele denken: "Wieso macht der nichts dagegen?" Dass diese Personen und auch Aknegeplagte oft schon etliche Sachen ausprobiert haben, wissen die nicht...oder denken nicht so weit. In meiner schlimmen Aknezeit bin ich 4 Mal von fremden Leuten auf der Strasse angesprochen worden, was denn mit meinem Gesicht los sei. Ein älterer Mann hat mir in der Strassenbahn zugerufen ich solle schnellstmöglich zum Hautarzt gehen, da sonst Narben bleiben würden. Das ist einfach entwürdigend und auch entmündigend... Ich finde, dass du J4G0 dich gerade NICHT versteckst und dem ganzen NICHT soviel Gewicht gibst, sonst hättest du ja nicht schon so viel im Leben erreicht! Dass Akne trotzdem ein großer -negativer- Bestandteil des Lebens (geblieben) ist, ist meiner Meinung nach kein Widerspruch. Mir hat deine Geschichte tatsächlich Kraft gegeben - es tut einfach gut zu sehen, dass man nicht alleine ist, das gibt Selbstbewusstsein. Deswegen wünsche ich dir auf jeden Fall alles Liebe und schick dir viel Motivation für die Zukunft! Katze |
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| Stichworte |
| akne, gesundheit, sport |
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