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Hallo an alle Mitleidenden da draußen!
Ich hab längere Zeit dieses Forum genutzt um mich vor allem seelisch wieder aufzubauen, wenn ich mal wieder einen schlechten Tag hinter mir hatte, deswegen habe ich mich jetzt entschieden, auch mal etwas zurückzugeben und euch mitzuteilen, wie ich meine Akne erfolgreich unter Kontrolle halte. Wer kein Interesse hat, wie ich euch mein Herz ausschütte und meine Geschichte erzähle, der kann weiter runterscrollen und sich durchlesen, wie ich meine Akne bekämpft habe und weiterhin erfolgreiche bekämpfe! Ich bin ein männlicher, 20jähriger Student, mit einer fettigen Haut und vielen Neurodermitiserkrankten in meiner Familie. Seitdem ich ca. 14-15 Jahre alt bin, habe ich mit Akne zu kämpfen, die im Alter von 18 Jahren erstmals als Akne Papulopustulosa diagnostiziert wurde (oder die anderen Hautärzte sahen es nicht als wichtig an, mir die genaue Diagnose mitzuteilen). Zu Beginn der ersten Akneschübe beachtete ich diese noch gar nicht wirklich bzw. störte mich nicht an den einzelnen Pickeln, da viele Jungs in meinem Alter dieses Problem hatten. Auch nachdem ich nach einem Austauschjahr in den USA wiederkam und der Aussage meiner Mutter zufolge ein stark aknegeplagtes Gesicht hatte, störte mich dieses nicht großartig, da ich es auch wahrscheinlich nicht weiter beachtete. Ab dem 18. Lebensjahr wurde meine Akne immer schlimmer, besonders im T-Bereich des Gesichtes hatte ich stark entzündete Akneherde, die einfach nicht besser wurden, ein Pickel ersetzte den anderen. Jetzt fing auch die Zeit an, in der ich mich immer mehr an dieser Krankheit störte, viele andere Gleichaltrige kamen so mittlerweile aus der pubertären Zeit der Akne Vulgaris raus und ich konzentrierte mich auch mehr auf mein äußerliches Aussehen. Damit stieg auch der Wille, etwas an meiner Situation zu ändern und ich besuchte viele verschiedenen Hautärzte. Diese verschrieben mir alle möglichen Cremes und Medikationen, von Isotrexin über Nadixa bis hin zu was weiß ich alles.. Keine dieser Cremes haben mir merklich etwas gebracht, ich habe sie dennoch alle über einen längeren Zeitraum genommen aus dem Grund, dass viele erst langfristig wirken und ich einfach irgendetwas dagegen machen konnte. Zu der Zeit machte mir die Hilflosigkeit der Situation viel zu schaffen, ich fraß mich also durch das Internet und probierte alles menschenmögliche aus, um mir bloß diese gottverdammte Akne vom Leib zu schaffen. Meine Mutter empfahl mir eine Kosmetikerin, zu der ich dann auch ging und welche mir über Monate hinweg das Gesicht "reinigte". Reinigen bedeutet in diesem Fall brutales Ausdrücken der Pickel, was zu meinen schlimmsten Zeiten eine 20minütige Tortur war, die mit ernsthaften Schmerzen zu tun hatte. Danach sah ich immer aus, als hätte mich ein Mob verprügelt und die Busfahrt nach Hause war immer die reinste Hölle für mich. Irgendwann konnte ich mein Aussehen nicht mehr ertragen wie es war und griff zur Kosmetik, vor allem der Abdeckstift war über lange Zeit mein bester Freund. Während ich nur anfangs einzelne Stellen überdeckte, glich die Sache am Ende eher dem übermalen des kompletten Gesichtes. Es gab Tage, da konnte ich einzelne Stellen super abdecken, an anderen war die Haut dagegen zu trocken und man sah die geschminkten Stellen. Ich habe ernsthaft Stunden im Bad verbracht, immer auf der Suche nach dem perfekt abgedeckten Gesicht. Wie oft habe ich mich geschminkt um dann im letzten Moment mein komplettes Gesicht zu waschen, um dann noch einmal von vorne zu beginnen.. Jetzt im Nachhinein ist mir klar, warum das Ganze die Situation eher verschlechterte als verbesserte, durch die Hautreizung und den komedogenen Abdeckstiften (ich kam erst nach einer Weile auf den Gedanken, einen Abdeckstift zu benutzen, der für aknegeplagte Haut ausgerichtet ist). Ich würde nicht sagen, dass ich zu der Zeit depressiv war, weil niemand eine Depression begreifen oder beschreiben kann, solange er sie nicht selber hat, aber mir ging es nun wirklich seelisch schlecht. Jeder Gang ins Bett, jeder Blick ins Spiegel war eine reinste Qual. Ich konnte zu der Zeit an keinen Spiegel vorbeigehen, ohne in ihn reinzugucken und mein Gesicht skeptisch zu betrachten. Es gab die "freundlichen" Spiegel (Spiegel in dunkeln Zimmern, Schaufenster, ...) und welche, die mein Selbstbewusstsein regelmäßig getreten haben (alle anderen, vor allem Rückspiegel, argh wie ich sie hasse!) Die Pausen wurden dafür genutzt, nachzuschminken, der Morgen nicht mehr dafür, sich die Haare zu machen, sondern minutenlang die ewigen Pickel abzudecken. Meine Gemütslage war zu der Zeit parallel zu meinem Gesichtsbild: Verheilte ein Akneschub wieder, ging es mir merklich besser, war ich gerade wieder einmal mitten in einem drin, wollte ich am liebsten gar nicht erst vor die Haustür gehen. Ich ließ vieles davon an meinen Eltern aus, nach außen hin hab ich es gegenüber meinen Freunden immer geschafft, mein Selbstbewusstsein zu halten, aber zuhause habe ich dann meinen Gemütszustand immer arg raushängen lassen. Meinen Eltern ist mein Hautbild natürlich aufgefallen und sie haben mir auch immer versucht zu helfen, doch ich habe diese Hilfe selten angenommen und habe vor allem nie über diese Krankheit gesprochen, genausowenig mit Freunden. Nur das Internet half mir oftmals über schwierige Zeiten hinweg, vor allem dieses Forum! Ich war irgendwann seelisch so fertig, dass ich alles machen wollte, um diese Akne endlich loszuwerden. Kurzentschlossen ließ ich mir von meiner Hautärztin Iso verschreiben, die dies mit einer lächerlich kurzen Ansprache auch sofort tat ("Jaa die Haut wird vielleicht ein bisschen trocken, hier ein bisschen Bepanthen für die Augen, viel Erfolg!) Nachdem ich aber nochmals das Internet durchforstet habe, hab ich mich dann doch dagegen entschlossen, vor allem die Möglichkeit, dass sich das Augenlicht verschlechtert, hat die Sache entschieden. Irgendwann habe ich dann von BPO erfahren, welches ich auch sofort fleißig anwandte. Nach ein paar Tagen habe ich die Dosierung dann erhöht, was zur Folge hatte, dass ich aussah als ob ich den übelsten Hautausschlag im Gesicht hätte. Ausgerechnet an dem Abend sollte ich arbeiten und nach einem stundenlangen Schminken (solange habe ich ernsthaft mit Pausen im Bad verbracht, das muss man sich mal vorstellen..) konnte ich einfach nicht mehr, ich war so kraftlos und hatte den Kampf eigentlich schon aufgegeben. Ich tat also dass, was ich schon Monate früher hätte tun sollen, ich ging runter zu meinen Eltern und redete mir alles von der Seele, ich heulte Rotz und Wasser und erklärte ihnen, wie mich diese Krankheit wirklich belastet. Meine Eltern war bis dahin gar nicht klar geworden, wie sehr mich das belastete und versuchten mich sofort aufzubauen, was natürlich einem Aknegeplagten selten etwas bringt. Dieser Tag sollte mein Leben verändern, am nächsten Tag vereinbarte mein Vater einen Termin in einer Hautklinik, wo ich Epiduo und Effaclar H verschrieben bekam. Seit diesem Tag habe ich vieles in meinem Leben geändert, vor allem die Einstellung zu meinem Körper und meinem eigenen Ich. Heute bin ich 20 Jahre alt, habe immer noch vereinzelt Pickel, aber mein Hautbild ist kein Vergleich zu damals. Die Haut hat sich selber regeneriert, ich hab die Zeiten ohne große Pickel überstanden und werde dies hoffentlich auch die nächsten Jahre. Ich werde die nächste Zeit sehr wahrscheinlich nicht pickelfrei überstehen, aber mit den paar Pickeln in der Woche kann ich mittlerweile so gut umgehen, dass mich diese Krankheit nicht mehr im Alltag beeinflusst. Ich bin immer noch nicht an den Punkt angekommen, dass ich mich absolut so akzeptiere wie ich bin, aber mir geht es jeden Tag besser und ich genieße einfach nur mein Leben. __________________________________________________ ______________ Im Folgenden möchte ich euch erzählen, wie ich meine Akne bekämpfe und was mir aus all den Vorschlägen da draußen wirklich geholfen hat: 1. Der seelische Aspekt Der hauptsächliche Grund an meinem chronisch schlechten Wohlbefinden war nicht wirklich die Akne, sondern was ich daraus gemacht habe. Mit der Zeit war ich so stark auf meine Haut fixiert, dass ich einfach nichts anderes mehr gesehen habe, wenn ich in den Spiegel guckte. Jeder Pickel wurde zu einem Blickfänger und so dachte ich auch würden das die anderen sehen. (Ich weiß, dieser Pseudopsychoscheiß hilft keinem von euch, aber so IST ES EINFACH) Ich war oftmals überrascht, dass sich trotzdem noch Mädchen für mich interessierten, sah ich mich doch selber als hässlich. Ich denke, der wahre Schlüssel zur Selbstakzeptanz liegt darin, dass es nicht das Ziel ist, das einem weiterhilft, sondern der Weg dahin. Es bringt nichts, sich selber zu sagen: "Irgendwann einmal werde ich die Akne los und dann beginnt das Leben". Das habe ich so oft gemacht "Wenn ich die Akne los bin, begeb ich mich sofort auf Frauenjagd, dann änder ich mein komplettes Leben" Das mag ja sein, aber wir leben hier und jetzt und das Leben ist einfach wunderschön. Die Akne behindert uns nicht im Leben, wir tuen das indem wir uns einreden, dass die Akne uns daran hindert, unser Leben so zu führen wie wir es wollen. Aber dabei beeinträchtigt sie uns körperlich nicht wie etwas das Fehlen eines Armes, sie beeinträchtigt uns nur psychisch wenn wir uns aus den Augen anderer betrachtet. Würde es auf dieser Welt keine Spiegel geben, ich glaube keiner von uns hätte diesen typischen, akneverursachten Minderwertigkeitskomplex. Ich hab selber noch nie erlebt, wie jemand mich auf meine Akne angesprochen hat (natürlich hab auch die Blicke gemerkt, die mein Gesicht abtasteten) und es gab auch Momente, in denen ich sie komplett vergessen hab. Die Akne ist das was wir aus ihr machen, wir können unser Leben genauso leben, wie jeder andere Mensch auch. --> Ich weiß, dass vielen von euch diese Weisheiten zum Hals raushängen und auch ich kann mir das zwar oft genug sagen, aber trotzdem bestimmt mein Gesichtsbild weiterhin viel zu stark meinen Gemütszustand. Aber wenn man sich das vor Augen hält und dann einmal durch seine Stadt läuft, dann fällt einem häufig erst auf, wie gut es doch einem geht.. 2. Die Medikation Nachdem ich wirklich viele Cremes ausprobiert habe, bin ich nun zu einer folgenden Herangehensweise gekommen: - Epiduo: Einfach ein Zaubergemisch, welches meine Haut super verträgt und die auch sofort anschlug. Epiduo ist eine relativ neue Creme, die ein Gemisch von BPO und einem milden Antiobiotikum enthält. Vorher bitte beim Arzt erkundigen (ist auch verschreibungspflichtig) und dann einfach mal ausprobieren. Dosierung: 1 x abends aufs gesamte Gesicht auftragen - Effaclar H: Eine Feuchtigkeitscreme von La-Posay, die sehr gut hautverträglich ist und super gegen die Austrockung gegen vorgeht. Jedoch habe ich vor kurzem erfahren, dass meine Haut gar nicht stark von dem Epiduo austrocknet, von daher mit Vorsich genießen. (Wenn ihr zuviel davon auftragt, habt ihr einen der perioralen Dermatitis ähnelnden Ausschlag, welches ich vor kurzem hatte und der ziemlich unschön ist) - Zink: Hilft der Haut merklich zu regenerieren, nehme ich bereits seit einem Jahr zu mir (aktuell: Zinkorotat-POS) Dosierung: Abends vor dem schlafengehen 30 mg bzw. morgens und abends (hängt immer davon ab, bei welchem Arzt man gerade ist und was dieser vorschlägt) --> Arzt fragen bzw. ausprobieren! - Vitamin B-Komplex: Empfehlung meines Hautarztes, nehme ich erst seit einigen Tagen ein, kann also nichts spezielles dazu sagen. Dosierung: 2 Tabletten jeweils abends und morgens Achtung: Färbt den Urin stark neongelb, ist jedoch unbedenklich 3. Die Hygiene Vor allem der Umgang mit der Haut kann vieles zu einer Besserung beitragen. Vorweg die Klassiker: - kein Ausdrücken mit den Fingern - wenn es denn wirklich nötig ist, mit einer Pinzette seitlich ausstechen und vorsichtig (!) mit einem Tuch ausdrücken und sofort aufhören wenn es anfängt zu bluten -> danach mit einem Desinfiziertuch desinfizieren incl. der Pinzette - möglichst wenig auf die Haut auftragen, vor allem mit der Schminke sparsam vorgehen und wenn dann auf die Hautverträglichkeit achten (seitdem ich nichts mehr auftrage, geht es meiner Haut um einiges besser) - an sich aktiv darauf achten, sich nicht ins Gesicht zu greifen (Schweißabwischen mit dem Handrücken, kein Kopfaufstützen, ...) - ein eigenes Handtuch für das Gesicht verwenden, dieses regelmäßig wechseln und auch nur abtupfen! (bzw. softe Tücher verwenden, was natürlich noch besser ist) - beim Gesichtwaschen darauf achten, dass man nur gaaanz leicht über die Haut streicht Fazit: Der Text ist länger geworden als gedacht, ich wollte einfach mal alles aufschreiben was mir zu diesem Thema einfällt. Akne ist eine stark beeinflussende Krankheit, ist sie für viele nur ein vorübergehendes Problem, gehört es für uns zu einem Alltagsproblem, dass einfach bei allem im Weg steht. Bildet euch weiter, probiert Sachen aus, diese aktive Herangehensweise hat mir auch seelisch gut geholfen. Eines Tages wird auch bei euch die Akne weggehen bzw. bessern werden, nur solltet ihr euch fragen: Warte ich bis zu dem Tag? Lasse ich mir wirklich von dieser Krankheit mein Leben so stark beeinflussen bzw. bin ich es nicht vielleicht selber, der den Beeinflussungsgrad bestimmt indem ich mich selber in meine eigene Situation reinrede?! Ich habe Jahre gebraucht um mich selber so zu akzeptieren wie ich bin und ich habe noch einen weiten Weg vor mir, aber der erste Schritt ist unheimlich wichtig und der kommt nicht davon, dass man zuhause vor dem Spiegel steht und sich selbst betrauert, sondern dass man das Leben endlich mal von seiner positiven Seite sieht und anfängt es zu genießen. Und wenn ihr sie nicht auf der Straße sieht, es gibt sie überall: Die Leuten die mit dieser Krankheit zu kämpfen haben, genau wie du, aber wie du damit im Endeffekt damit umgehst, entscheidest alleine DU! Viel Erfolg wünscht euch euer Duke P.S. Dadurch dass der Text so lang geworden ist, habe ich keine Lust ihn auf Fehler zu überprüfen, somit entschuldige ich mich für die unzähligen Flüchtigkeitsfehler
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