4. Entstehung der Akne
Akne entsteht, grob gesagt, in 4 Schritten:
- Talgüberproduktion (Seborrhoe): Überaktivität der Talgdrüsen, z.B. durch erhöhte Androgen-Produktion & Empfindlichkeit in der Pubertät -> Es wird mehr Talg gebildet.
- Talgdrüsenverstopfung (Retentionshyperkeratose): Verstärkte Verhornung der Talgdrüsengänge -> Der Talg fliesst schlechter ab.
- Mitesserbildung: Sobald Faktoren 1 und 2 vorliegen, entstehen Microcomedos ("Mini-Mitesser"), welche mit dem Auge noch nicht sichtbar sind. Diese bilden den idealen Wachstumsgrund für das Bakterium Propionibacterium acnes, welches sich vermehrt. Durch weiteres Wachstum der Mikrokomedonen entstehen die klassischen, mit dem Auge sichtbaren, Komedonen (="Mitesser"; Whiteheads genannt, wenn geschlossen; Blackheads, wenn offen zur Luft und bedeckt von einer schwärzlichen oxidierten Melanin- & Fettsäureschicht [ist kein Dreck!]).
- Entzündung: Mitesser neigen dazu sich zu entzünden. Dies liegt daran, dass sich in den Mitessern sehr leicht proenzündliche Moleküle ansammeln können (z.B. Proprioni-Bakterienbestandteile, frei werdende Fettsäuren, Reaktive Sauerstoffradikale). Sobald diese Ansammlung einen gewissen Schwellenwert erreicht hat oder auch weitere pro-entzündliche Faktoren dazukommen (z.B. mechanische Reizung der Haut oder systemische Entzündungsmediatoren aus dem Blut), kommt es zur vollen Aktivierung der Entzündungskaskade. Diese mündet dann in der Entstehung des klassischen Pickels (nennt sich Papel, wenn knotig-rot ohne Eiter; Pustel, wenn mit Eiter gefüllt). Bei schwereren Verläufen der Akne bilden sich auch tiefer in der Haut liegende Knoten (Nodus) und Eiterhöhlen (Abzess).
Prinzipiell und in der Theorie sollte eine Anti-Aknebehandlung an so vielen obigen Faktoren wie möglich angreifen (also am besten antiseborrhoisch, keratolytisch, antibakteriell & antiinflammatorisch sein). Wenn man jedoch nur die ersten zwei Punkte mit Erfolg bekämpft, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass sich 3. & 4. ausprägt. Anders rum gehts bis zu einem gewissen Grad natürlich auch
Akne kann man noch, wenn man möchte, in viele Subgruppen aufdröseln:
- Gewöhnliche Akne d.h. Akne des Jugendlichen (Acne vulgaris)
- Akne des Erwachsenen (Akne tarda)
- leichte Akne (Acne comedonica)
- sehr schwere Akne (Acne conglobata)
- etc.
Bei diesen Subgruppen ist der Entstehungsmechanismus im Prinzip immer der Gleiche, deshalb unterscheidet sich auch die Behandlung kaum. Zwei Dinge gibt es aber zu beachten: Erstens können sich die Ursachen (s.u.) unterscheiden, und wenn eine eine Ursache zu finden ist, ist naturlich diese zu behandeln. Zweitens sollte eine Behandlung immer an den Schweregrad der Akne angepasst sein (siehe Punkt 7).
Wichtig zum Verständnis: Bakterien werden nicht als der Auslöser der Acne vulgaris angesehen, ihre Vermehrung in der Haut ist vielmehr eine Folge der vorherigen Veränderungen, die ein günstiges Milieu für die Bakterien schaffen. Dies erklärt auch warum übertriebene Hygieneaktionen (häufige Desinfektion, dauerndes Händewaschen etc.) wenig Sinn machen. Wie hoffentlich jeder weiß, ist Akne nicht ansteckend. Kennzeichnend für die Akne ist der Komedo, weshalb dessen Bildung so gut wie möglich verhindert werden sollte.
5. Ursache(n) der Akne
Die Ursache der Akne im eigentlichen Sinne ist bisher nicht eindeutig geklärt. Man geht eher davon aus, dass Akne eine
multifaktorielle Krankheit ist, welche entsteht, wenn mehrere auslösende Faktoren
gleichzeitig in einem Körper vorliegen. Es gibt sowohl
endogene (d.h. genetische) als auch
exogene (d.h. umwelt-/verhaltensbedingte)
auslösende Faktoren, wobei die größte Rolle wahrscheinlich den eigenen Genen zugesprochen werden kann. Die starke Bedeutung der genetischen Neigung zu Akne wird dadurch unterstrichen, dass einige Leute trotz mehrerer Risikofaktoren (z.B. ungesunde Ernährung, Rauchen + keine Hautpflege) eine babyreine Haut haben, während andere schon bei kleinsten Sünden mit Pickeln bestraft werden. In den letzten Jahren wird jedoch zunehmend deutlich, dass auch exogene Faktoren, wie z.B. Ernährung eine wichtige Rolle spielen (Details & Tipps hierzu weiter unten).
Eine der schwierigsten Aufgaben für einen Akne-Erkrankten ist es die eigenen Ursachen herauszufinden. Meistens bleiben diese jedoch unklar. Die gute Nachricht: Man braucht nicht die genauesten Ursachen seiner Akne zu kennen, um sie erfolgreich behandeln zu können. Dennoch kann es sich lohnen, sich ein wenig auf die Suche zu machen. Seine eigene genetische Ausstattung kann man freilich jedoch (noch) nicht ändern.
Endogene Faktoren:
- Allgemein: Die eigenen Gene (Genetische Prädisposition)
- In der Pubertät: Erhöhte Androgensensibilität der Talgdrüsenzellen im Rahmen hormoneller Veränderungen (mehr Infos)
- Bei Frauen: Androgenüberschuss (meist bedingt durch die eigenen Gene, aber auch z.B. bei PCO)
- Bei Frauen: Übermäßige hormonelle Zyklusschwankungen (mehr Infos)
- etc.
Exogene Faktoren:
- Auf die Haut aufgetragene komedogene Stoffe (z.B. in gewissen Cremes, Make-Up) (mehr Infos)
- Verhalten (z.B. Rauchen, insbesondere bei Acne inversa)
- Ernährung (siehe Nahrungsumstellung weiter unten)
- Umweltgifte (z.B. Dioxin)
- Medikamente (z.B. Anti-Baby-Pillen mit androgener Wirkung, Anabolika, Langzeit-Cortison, Lithium)
- etc.