Einzelnen Beitrag anzeigen
  #2 (permalink)  
Alt 28.04.2009, 23:12
Benutzerbild von Gabriel
Gabriel Gabriel ist offline
Super-Moderator
 
Registriert seit: 31.12.2008
Beiträge: 464
Abgegebene Danke: 0
Erhielt 0 Danke für 0 Beiträge
Standard

2. Wissenswertes


Achtung
: In diese Sektion flossen eigene subjektive Meinungen ein.

  • Lesen macht weise! Soll heißen: Erst aufmerksam lesen und Wissen aneignen z.B. diesen Artikel, bevor ein neues Thema hier im Forum aufgemacht wird. Macht euch doch nebenbei gemütlich einen Kaffee oder Tee und geht die Themen und Links in Ruhe durch, gerne auch mehrmals.
  • Die Bildung eines Microcomedos (die allereste Form eines Mitessers - ist noch nicht mit dem Auge zu sehen) dauert etwa 8 Wochen. Deshalb sollte jede Behandlungsstrategie mindestens 2-3 Monate konsequent und in der richtigen Dosierung durchgeführt werden, um wirklich beurteilen zu können ob eine Behandlung hilft oder nicht. Oftmals wird eine Behandlung vorher abgebrochen, teilweise schon nach wenigen Tagen. Ein häufiger Gründ ist die akute Verschlechterung. Dabei sollte man wissen, dass bei vielen Behandlungen eine Anfangsverschlechterung (Abkürzung im Forum: AV) ganz normal ist und durchgestanden werden sollte.
  • Die häufigste Form der Akne, die Acne vulgaris (deutsch: "gewöhnliche Akne"), auftretend ab der Pubertät, bei vielen um die 15, bei anderen auch mit 20 und später, hat eine äußerst hohe Selbstheilungstendenz im Laufe der Jahre. Bei etwa 80% der Akneleidenden heilt diese bis spätestens Ende 30 völlig aus. Unter dieser Tatsache macht es durchaus Sinn die Akne bis zu diesem Alter in Schach zu halten. D.h. konsequente Anwendung eines Verfahrens, auch in Zeiten relativ reiner Haut. Nach Bekämpfung des akuten Stadiums (viele Papeln, Pusteln, Knoten) ist es überaus wichtig mit einer präventiven Erhaltungstherapie weiterzumachen um einen erneuten Rückfall zu vermeiden (mindestens für 6-12 Monate) (Nach Isotretinoin-Therapie oder bei Frauen während der Einnahme der "Pille" ist dies evtl. nicht nötig). Geeignete Methoden zur Langzeitprävention sind z.B. Retinoide, Säuren (Fruchtsäuren, Salicylsäure, Azelainsäure) oder die vorbeugende BPO Methode.
  • Es macht Sinn die Akne an mehreren Fronten zu bekämpfen. D.h. neben einer äußeren Behandlung, innerlich eine optimalere Grundsituation des Körpers zu schaffen. Zum Beispiel durch Gewichsreduktion (Sport!), weniger Alkohol, kein Nikotin, weniger Stress und einer Nahrungsumstellung (heikles Thema). Eine gesunde Lebensweise hat nicht nur auf die Akne, sondern auch auf viele andere Krankheiten einen positiven Einfluss und führt zu einem längeren und krankheitsfreieren Leben.
  • Der Mensch hat ein hohes Kausalitätsbedürfnis. Fast schon zwanghaft wollen wir uns und die Welt um uns herum irgendwie erklären können. So kommt es häufig dazu, dass wir bezüglich unserer Krankheiten zu vorschnellen Schlüssen kommen (z.B. "Der Snack von gestern hat mir einen Pickelschub gebracht" oder "Ich hab die Akne, weil meine Körpersäfte nicht im Gleichgewicht stehen" usw.). Das kann u.u. zutreffen, oftmals wird aber fälscherlicherweise eine Verbindung gesehen wo keine ist. Deshalb: Ja, steht zu eurem Suchen nach Kausalitäten, es ist etwas Wunderbares und Wichtiges. Aber beäugt euch auch selbst kritisch und überlegt noch einmal, bevor vorschnell irgendwelche "Gesetzmäßigkeiten" in eure Köpfe und womöglich auch hier ins Forum gehämmert werden. Dennoch sind wir alle sehr dankbar über neue Hypothesen, jeder Mitdenker bereichert das Forum.
  • Desweiteren versucht euch nicht zu sehr in die Behandlung euer Akne zu verbeißen. Wie dieser Artikel durchblicken lässt, habe ich schon viel Zeit mit dem Lesen und Recherchieren über Akne und mögliche Behandlungen verbracht (was mir überaus Spaß bereitet, ist auch Teil meines Studiums). Insbesondere das Thema Ernährung kann einen ziemlich in den Wahnsinn treiben und birgt unter Umständen die Gefahr der Entwicklung von Essstörungen (Magersucht, Bulimie etc.). Das Leben hat aber noch so viel mehr zu bieten (z.B. ein schönes Buch lesen, einen Baum pflanzen, mit einem Freund diskutieren, in einer gemeinnützigen Organisation helfen etc.). Findet eure passende Aknebehandlung (höchstwahrscheinlich steht sie sogar schon in diesem Artikel!), zieht sie ordentlich durch und zerbrecht euch nicht zu groß den Kopf, was nun letztendlich richtig und falsch in Bezug auf eure Haut ist. Wir wissen bis jetzt einfach noch viel zu wenig!
  • Akne wird von vielen als extrem entstellende und psychisch belastende Krankheit erlebt. Dabei hat die Krankheit, entgegen vieler anderer chronischer Leiden, primär keinen lebensverkürzenden Einfluss*. Hier zeigt sich die zynische Zwiespältigkeit in unserer heutigen westlichen Gesellschaft: Mehr denn je wird durch Medien und Mitmenschen der gesunde, schöne und perfekte Mensch gehuldigt (Thema: Die "Fitnessgesellschaft"). Schöner Schein wird zur Maxime, perfekt inszenierte Models und Musiker zum Idol, kleinere Makel und Abweichungen von der Norm werden stigmatisiert und tabuisiert. Aber mehr denn je werden die Menschen in der westlichen Welt dicker, das Leben tendenziell schneller, oberflächlicher und ungesünder. Diese Diskrepanz zwischen Realität und allgemeinen Idealen generiert Gefühle von Unzufriedenheit und Minderwertigkeit. Aber: Akne ist extrem häufig und betrifft heute schon über 80-90% aller Jugendlichen, ebenfalls viele Erwachsene, bis in die 30er hinein und darüber hinaus (wenn man als Kriterium das Vorhandensein von mehreren Komedonen und einzelnen Papeln annimmt, mittlere/schwere Akne ist seltener). Ihr seid nicht allein! Ein wichtiger Schritt ist dies zu realisieren und zu versuchen seine Krankheit und sich selbst zu akzeptieren (so blöd es klingt). Auf dieser Basis ist ein effektiver Kampf möglich, ohne von großen Frustationen in die Isolation getrieben zu werden. Und wenn ihr mal eure engen (vielleicht aknefreien) Freunde fragt, werden die euch in den allermeisten Fällen bestätigen, dass sie deine Pickel gar nicht wirklich beachten und störend finden. Ein paar Pickel machen niemanden zu einem zu einem schlechteren Menschen, vergesst das nie! Im Gegenteil, Akneleidende sind häufig sensibler, einfühlsamer und toleranter gegenüber ihren Mitmenschen. Lernt aus eurer Krankheit und werdet weiser, zieht positive Schlüsse. Vielen Erfolgsgeschichten hier im Forum zeigen, dass jeder früher oder später den Kampf gewinnt. Gebt niemals auf!

*Sekundär kann die Mortalität und Morbidität selbstverständlich erhöht sein. Banal und platt gesagt: Akne -> Gefühlte Stigmatisierung und Minderwertigkeitsgefühle -> Depression -> Sozialer Rückzug -> Ungesündere Lebensweise (Morbidität und Mortalität hoch), erhöhte Suizidalität (Mortalität hoch).

Geändert von Gabriel (23.01.2011 um 16:35 Uhr)
Mit Zitat antworten